Pränataldiagnostik

Seit der Einführung des Ultraschalls in die Regelversorgung von Schwangeren 1979 hat sich die pränatale Suche nach vermeintlichen Beeinträchtigungen des Fötus zu einem normalen Bestandteil der Schwangerenversorgung entwickelt. Selektive Pränataldiagnostik (PND) verbessert weder die Versorgung der Schwangeren noch die Gesundheit des werdenden Kindes, sondern erzeugt und verstärkt Ängste - die versprochene Sicherheit ist so nicht zu erreichen. Oft steht die Schwangere vor der Entscheidung, das gewollte Kind „trotzdem“ zu bekommen oder abzutreiben.

Die ausufernde Risikoabschätzung wird durch eine Logik von Angebot und Nachfrage bestimmt, die technische Entwicklung bestimmt das Tempo. Zuletzt wurden die nicht invasiven Tests (NIPT) auf die Trisomien 3,18 und 21 in die Krankenkassen-Regelversorgung aufgenommen. Das Gen-ethische Netzwerk hat sich dem jahrelang entgegenstellt. Denn die selektive Fahndung nach Abweichungen von einer gedachten Norm verstößt gegen die UN-Behindertenrechtskonvention. Das GeN tritt in der Tradition der feministischen Kritik an Gen- und Reproduktionstechnologien für ein Recht auf Abtreibung ein, wendet sich aber gegen die behindertenfeindliche pränatale Suche nach Behinderungen.

Beiträge zu diesem Thema

  • Bluttest auf Trisomien ist Kassenleistung

    Von
    , 26. August 2022

    Seit dem 01. Juli 2022 kann der sog. Nicht-invasive Pränataltest (NIPT) auf die Trisomien 13, 18 und 21 als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Anspruch genommen werden. Plötzlich bekommt die seit Jahren angebrachte Kritik am Verfahren eine mediale Bühne.

  • Tagung: Der NIPT auf Trisomien als Kassenleistung

    Die Veranstaltung „Der NIPT auf Trisomien als Kassenleistung: selbstbestimmte Entscheidung oder gesellschaftlich erwünschte Selektion?“ findet vom 23.-25.09.2022 in Berlin statt. Den Anstoß gab der Beschluss über die Kostenübernahme für den nicht invasiven Pränataltest durch die gesetzlichen Krankenkassen.

  • Lesung: Selbstbestimmte Elternschaft

    Von
    GeN
    ,

    Bei der Online-Lesung zum "Handbuch Feministische Perspektiven auf Elternschaft" stellten die*der GeN-Mitarbeiter*in Taleo Stüwe, sowie Susanne Schultz, Mitglied im Beirat des GeN, ihre Beiträge vor. Die Lesung kann auf Youtube geschaut werden.

  • GID-Ausgabe
    260
    vom Februar 2022

    Die nächste Eskalationsstufe – Bluttest auf Trisomien wird Kassenleistung

    Die unmittelbar bevorstehende Kassenfinanzierung des Nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) in Deutschland markiert die nächste Eskalationsstufe der Normalisierung vorgeburtlicher Diagnostik. Dieser Schwerpunkt beschäftigt sich mit Hintergründen, Ambivalenzen und Dynamiken.

  • NIPT: weltweite Verbreitung

    Von
    , 18. Februar 2022

    Zehn Jahre nach seiner Markteinführung ziehen Wissenschaftler*innen Bilanz: Die Auswirkungen des NIPT sind komplex. Dieser Artikel stellt eine Auswahl gemeinsamer und unterschiedlicher Herausforderungen aus neun Ländern vor.