Kurz notiert - Landwirtschaft und Lebensmittel

Deutschland: Beobachtung von gv-Mais

Der US-Konzern Monsanto hat Ende März einen Beobachtungsbericht für den gentechnisch veränderten (gv) Mais MON810 beim Bundeslandwirtschaftsministerium eingereicht. Dieser zeigt, nach Ansicht der Autoren, dass vom Anbau von gentechnisch verändertem Mais keine besondere Gefährdung der beobachteten Tiergruppen ausgeht. In Abstimmung mit dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hatte Monsanto verschiedene Beobachtungssysteme, die obligatorisch durchfgeführt werden in einen eigenen Beobachtungsplan zur Prüfung der Wirkung von MON810-Mais integriert. Dieses wurde insbesondere von den diese allgemeinen Umweltbeobachtungssysteme durchführenden und/oder koordinierenden Instituionen und zum Beispiel dem Bundesamt für Naturschutz aufs Heftigste kritisiert. Die von Monsanto genutzten allgemeinen Beobachtungen waren unter anderem das Deutsche Bienenmonitoring oder die Vogelbeobachtungen unter dem Dach des Verbandes der Deutschen Avifaunisten, aber auch die allgemeinen Beobachtungen der in Deutschland vorkommenden Wildtiere des Deutschen Jagdverbandes und das Schmetterlingmonitoring. Die Kritik bezieht sich vor allem auf die Tatsache, dass die von diesen Beobachtungsprogrammen zusammengetragenen Daten nicht geeignet sind, eventuelle Effekte durch den Anbau von gentechnisch verändertem Mais zu zeigen. Zudem wurden die Beteiligten nicht gefragt, ob sie Teil von diesem in seiner Grundkonzeption heftig kritisierten Monitoring sein wollen. Zu dem nun vorliegenden Bericht werden noch weitere Teile folgen, die über weitere Aspekte des Anbaus von MON810-Mais im Jahre 2008 Auskunft geben. (Monitoringbericht von Monsanto über den Anbau von gentechnisch verändertem Mais MON810, März 2009, www.yieldgard. eu; siehe dazu auch den Beitrag „Wie werden GVO beobachtet?” von Armin Benzler im GID 192, Februar 2009) (pau)

Polen: Hungerstreik wegen GVO

Edyta Jaroszewska, Danuta Pilarska and Jadwiga Łopata, drei Aktivistinnen in der Gentechnik-kritischen Bewegung von Polen, haben einen Hungerstreik begonnen, um ihren Forderungen nach einem Verbot von gentechnisch veränderten Pflanzen Nachdruck zu verleihen. Dieses soll, im Sinne einer kurzfristigen Lösung, zunächst die derzeit einzige in der Europäischen Union für den Anbau zugelassene Sorte, Monsantos insektengiftigen Mais MON810 betreffen; aber auch andere Pflanzen, die zum Beispiel als Futterpflanzen verwendet werden. Jaroszewska und Pilarska, die beide auch ökologische Landwirtschaft betreiben, und Łopata, die die Internationale Koalition zum Schutz der polnischen Landwirtschaft leitet, rufen zudem AktivistInnen und andere Interessierte aus ganz Europa dazu auf, dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk zu schreiben und diese Forderungen zu unterstützen. (www.icppc.org, 25.03.09) (pau)

Mexiko: Kontamination im Mais

Acht Jahre nach ihrem Erscheinen ist eine heftig kritisierte Studie von Ignacio Chapela und David Quist aus dem Jahre 2001 zur Maiskontamination in Mexiko durch neue Untersuchungen bestätigt worden. Bei einer erneuten Analyse von Maisproben aus den Jahren 2001, 2002 und 2004 haben WissenschaftlerInnen aus Mexiko, den USA und den Niederlanden gentechnisch verändertes (gv) Material in den Proben nachgewiesen. Dabei wurden sie in etwa einem Prozent der 2.000 untersuchten Proben aus den Regionen Oaxaca und Puebla fündig. Das Team um Elena Alvarez-Buylla von der Nationalen Autonomen Universität in Mexiko City konnte bei seinen Untersuchungen auf Proben zurückgreifen, die vom Nationalen Biodiversitätsrat (CONABIO) und vom Nationalen Ökologie-Institut (INE) Mexikos gesammelt worden waren. Die Verunreinigungen mit gv-Mais aus dem Jahr 2001 stammten aus drei verschiedenen Lokalitäten. Bei der Analyse des Materials aus 2004 wurden in zwei dieser Lokalitäten erneut Spuren gefunden. Insgesamt waren Proben von 21 Orten untersucht worden. Im Jahr 2002 gesammeltes Material war dagegen frei von Gentechnik. Alvarez-Buylla und Kollegen haben nicht nur die Kontamination an sich bestätigt, sondern außerdem zwei weitere interessante Ergebnisse zu Tage gefördert: Die Veunreinigungen sind nicht gleichmäßig verteilt und sie können mit den bekannten Methoden nicht immer zuverlässig aufgefunden werden. Letzteres bringt die AutorInnen der im Wissenschaftsmagazin Molecular Ecology veröffentlichten Studie zu der Schlussfolgerung, dass falsch negativen Ergebnissen - Untersuchungen, die vorhandene Verunreinigungen nicht entdecken - in Zukunft mehr Augenmerk geschenkt werden sollte. Die Wissenschaftler Chapela und Quist hatten ihre Ergebnisse 2001 im Fachblatt Nature veröffentlicht. Die beiden US-amerikanischen Forscher hatten in vier von sechs Maisproben aus Oaxaca gentechnisch verändertes Material ausfindig gemacht. Ihre Studie spaltete die Wissenschaftsgemeinde nachhaltig. Nature distanzierte sich von der Veröffentlichung. (Molecular Ecology (2009) 18, 750 -761; New Scientist, 21.02.09, zitiert nach soyatech.com) (pau)

Deutschland: MON810-Verbot möglich und geboten!

In einer aktuellen Darstellung fassen der Gentechnikexperte Christoph Then und die Rechtsanwältin Katrin Brockmann die Möglichkeiten für ein Verbot des gentechnisch veränderten (gv) Mais MON810 des Gentechnikkonzerns Monsanto zusammen. Sie kommen zu dem Schluss, dass ein solches Verbot „in der Sache richtig und rechtlich geboten” sei. Bereits im Jahr 2007 war die Vertriebsgenehmigung des gv-Mais durch das Bundesamt für Verbraucherschutz (BVL) ausgesetzt, später aber, unter der Maßgabe, einen umfassenden Beobachtungsplan zu etablieren, wieder in Kraft gesetzt worden. Im Auftrag des Bundes für ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), der Nichtregierungsorganisation campact! und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) haben Then und Brockman nun vor allem neuere Untersuchungen zu gentechnisch veränderten Pflanzen in den Blick genommen. Zum Beispiel eine Untersuchung aus dem vergangenen Jahr, derzufolge bei Ratten, denen gentechnisch veränderter Bt-Reis gefüttert worden war, und bei denen daraufhin auffällige Immunreaktionen auftraten. Dies ist von Bedeutung, weil auch in dem betreffenden Reis das - als Cry1Ab bezeichnete - Bt-Gift neu gebildet wird. Bt-Gifte kommen ursprünglich aus dem bodenlebenden Bakterium Bacillus thuringiensis. Weitere Untersuchungen, die von Then und Brockmann beschrieben werden, betreffen zum Beispiel wasserlebende Organismen, die durch das Bt-Gift geschädigt werden (können). Das Besondere an der am 2. April veröffentlichten Kurzstudie ist die Kommentierung vor allem in Deutschland vorgebrachten Argumente gegen ein Verbot von MON810-Maissorten. Diese kommen zum Beispiel aus den Reihen der Zentralen Kommission für Biologische Sicherheit, einem für seine gentechnikfreundlichen Standpunkte oft kritisierten Gremium, das auf Grund von Vorgaben aus dem Gentechnikgesetz vom Bundeslandwirtschaftsministerium besetzt wird. (Christoph Then und Katrin Brockmann: Lässt sich der Anbau von Gen-Mais Mon810 in Deutschland verbieten? Eine wissenschaftliche und rechtliche Bewertung., 02.04.09, www.campact.de; Zum gv-Reis: Kroghsbo und Kollegen publizierten ihre Untersuchung in dem Fachmagazin Toxicology, Band 245, Seiten 24 bis 34) (pau)

Brasilien: Syngenta gibt Versuchsflächen zurück

Der schweizerische Agrar-Konzern Syngenta hat Flächen eines ehemaligen Versuchsgeländes für die Freisetzung gentechnisch veränderter (gv) Pflanzen im brasilianischen Bundesstaat Paraná an die Regierung des Bundesstaates zurückgegeben. Damit endet ein mehrjähriger Konflikt zwischen Syngenta, VertreterInnen der lokalen Gemeinden, der brasilianischen Landlosenbewegung MST und Umweltschützern um die Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen, in dessen Verlauf es 2007 auch zum Tod des als „Keno” bekannten MST-Aktivisten Valmir Motta de Oliveira gekommen war. Bereits im vergangenen Oktober hatte die Regierung von Paraná Medienberichten zufolge angekündigt, die Flächen zur Produktion lokaler Saatgutsorten zu nutzen und dieses an Kleinbauern weiterzugeben. Siehe dazu auch den Beitrag „Großkonzerne und Kleinbauern” von Naima Blum in GID 185, Dezember 2008. (www.brazzilmag.com, 26.10.09; www.gen-ethisches-netzwerk.de) (pau)

Flop in Serbien: Gv-Pflanzen finden keine Minen

Mit großem Trara waren die Wunderpflanzen vor Jahren angekündigt worden: Gentechnisch veränderte Pflanzen sollten helfen, Landminen aufzuspüren. Daraus wird jetzt aber erst einmal nichts. Wie der Finanz-Informationsdienst Praetorian Research mitteilt, werden weitere Versuche, entsprechende Pflanzen zu entwickeln, um mindestens zwei bis drei Jahre verschoben. Das habe die Geschäftsführung der dänischen Firma Aresa mitgeteilt. Damit sei der Wert, der mit diesen Pflanzen in Verbindung stehenden Patente sehr unsicher. Praetorian Research weiß zudem zu berichten, dass Aresa sein biotechnologisches Personal entlassen hat. Die Firma sehe ihre Zukunft eher im Bereich des Investments, unter anderem in Bodenwerte auf dem Balkan. Zuletzt war im vergangenen Sommer berichtet worden, die Firma werde gentechnisch veränderte Tabakpflanzen in Südafrika anbauen, um Minen aufzuspüren. (Praetorian Research, Oktober 2008) (pau)

Kuba: Testfelder mit gv-Mais

Auf Kuba werden gentechnisch veränderte Maispflanzen getestet, die im staatlichen Zentrum für Gen- und Biotechnik (CIGB) entwickelt worden sind. Die Pflanzen seien giftig für den wichtigsten Schädling des Inselstaates, die Mottenart Spodoptera frugiperda. Sie produzieren ein Gift des bodenlebenden Bakteriums Bacillus thuringiensis. Die gentechnische Veränderung wird entsprechend FR-Bt1 genannt. Die Kritik halte sich, so der online-Dienst ipseuropa.org, im Moment zurück, vermutlich da zunächst nur eine Fläche von 50 Hektar vorgesehen sei. Allerdings scheinen die Planungen dauerhaft auf größere Pflanzungen hinaus zu laufen, da der Mais die Ernährungssicherheit des Landes sichern helfen und das Land unabhängig von Nahrungsimporten machen soll. (www.ipreuropa.org, 10.03.09) (pau)

ISAAA: Gentechnik-Anbau weltweit

Nach Angaben der Biotech-Lobby-Vereinigung ISAAA (International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications) ist der kommerzielle Anbau gentechnisch veränderter (gv) Kulturen im Jahr 2008 um 9,4 Prozent auf 125 Millionen Hektar gestiegen. Dem alljährlichen Bericht zufolge wurden gv-Pflanzen von 13,3 Millionen Bauern in 25 Ländern der Welt kommerziell angebaut (2007 waren es laut ISAAA 114,3 Millionen Hektar in 23 Ländern). Die USA (62,5 Millionen Hektar), Argentinien (21) und Brasilien (15,8) werden als die drei Länder mit den größten Anbauflächen genannt. Die statistischen Angaben der ISAAA sind - auch in diesem Jahr - mit Vorsicht zu genießen, denn es gibt keine verlässlichen Quellen über den weltweiten Anbau. „Die Biotech-Industrie treibt die Zahlen in die Höhe, um Medien und Politiker davon zu überzeugen, dass gv-Pflanzen erfolgreich sind”, so Helen Holder, Gentechnik-Expertin von Friends of the Earth Europe. Beispielsweise sei in Europa der Anbau gegenüber dem Jahr 2007 um zwei Prozent gesunken, der ISAAA-Bericht hingegen spreche von einer Zunahme um 21 Prozent. Wie das geht? Frankreich, wo der Anbau von gv-Pflanzen seit letztem Jahr verboten ist, wurde kurzerhand nicht mehr in die Berechnungen miteinbezogen. (ISAAA Brief No 39-2008: Executive Summary, www.isaaa.org; www.foeeurope.org/GMOs/position_papers/ISAAA_medi…) (ts)

Vatikan und Gentechnik

Papst Benedikt hat bei seinem Afrikabesuch den Bischöfen ein Dokument des Vatikans übergeben, in welchem unter anderem der Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft deutlich kritisiert wird. Das „Instrumentum Laboris” soll als Tagungsordnung für die 2. Sonderversammlung der Bischofssynode für Afrika dienen, welche im Oktober im Vatikan diskutiert werden soll. Das Dokument kritisiert die ökonomischen und sozialen Auswirkungen der Globalisierung und weist darauf hin, dass der Einsatz von gv-Kulturpflanzen die Existenz der Kleinbauern gefährden könne. Es bestehe die Gefahr, dass traditionelle Methoden der Saatgutgewinnung aufgegeben würden und die Bauern in Abhängigkeit von Unternehmen, die gentechnisch verändertes Saatgut produzieren, gerieten. Verwunderlich indes, dass Ende Mai eine päpstliche Klausur zum Thema „gentechnische Pflanzen für Ernährungssicherheit im Kontext der Entwicklung” im Vatikan stattfinden wird. Organisiert wurden diese Studientage von Ingo Potrykus, bekannt als Erfinder des gentechnisch veränderten „Goldenen Reis”. (Instrumentum Laboris, unter www.vatican.va/roman_curia/synod/; „Transgenic Plants for Food Security in the Context of Development” unter www.vatican.va/roman_curia/pontifical_academies/a…; Nature Biotechnology 27 (2009), 214) (ts)

Luxemburg: Verbot von MON 810

Der Gesundheitsminister Luxemburgs, Mars Di Bartolomeo, hat einen Regierungsbeschluss zum Verbot der gentechnisch veränderten (gv) Maissorte MON810 angekündigt. Nach Österreich, Ungarn, Frankreich und Griechenland wäre Luxemburg damit das fünfte Land der Europäischen Union, das sich auf der Basis der so genannten Sicherheitsklausel der EU-Freisetzungsrichtlinie für ein nationales Verbot des gv-Mais der Firma Monsanto ausgesprochen hat. Der Schritt wurde mit den möglicherweise von den gentechnisch veränderten Organismen ausgehenden Gefahren begründet. Der Minister sprach sich für die Anwendung des Vorsorgeprinzips aus, demzufolge bei unklarer Datenlage eher Vorsicht walten gelassen werden soll. (Luxemburger Wort, 22.03.09) (pau)

Besetzung 1: Üplingen

Aktivisten haben in der Nacht zum 13. März ein Feld des Schaugartens Üplingen besetzt. Sie wurden noch am gleichen Tag von der Polizei geräumt. Die BesetzerInnen wollten mit ihrer Aktion gegen den Versuch „der Gentech-Lobby” protestieren, „die Akzeptanz für die grüne Gentechnologie in der Bevölkerung” zu erhöhen. In Üplingen (Sachsen-Anhalt) sollen verschiedene gentechnisch veränderte (gv) Pflanzen angebaut und gezeigt werden. Zu diesem Zweck wurde die so genannte Bio Tech Farm gegründet, über die der GID schon im vergangenen Jahr berichtet hatte (siehe dazu den Beitrag „GVO im Streichelzoo” von Christian Rehmer im GID 179, August 2008; GVO - gentechnisch veränderte Organismen). Bei den in Üplingen in der Vergangenheit angelegten und auch für dieses Jahr geplanten Feldern mit gv-Pflanzen handelt es sich in der Regel um Zweitstandorte von Freisetzungsversuchen an anderen Orten der Republik. Das wirft die Frage auf, ob solche Testfelder überhaupt vom Gentechnikgesetz gedeckt sind, da deren Zweck in der schrittweisen Erprobung von gentechnisch veränderten Organismen liegt, wie sie nach europäischen Recht gefordert wird: Entsprechend müssen das mit diesen Pflanzen in Verbindung stehende Risiko und der Nutzen in einem Verhältnis stehen. Das in Deutschland für die Genehmigung der Freisetzungsversuche federführende Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nutzt für die - auch schon in der Vergangenheit ausgesprochene - zweifelhafte Erteilung eine Lücke im Gesetz, da dort nicht explizit geschrieben steht, zu welchem Zweck Freisetzungsversuche durchgeführt werden können. Andere Behörden, zum Beispiel das Bundesamt für Naturschutz, teilen die vom BVL vertretene Einschätzung nicht und plädieren vielmehr dafür, nicht jeden Freisetzungszweck zu akzeptieren. (http://genfeldbesetzung.blogsport.de, 15.03.09; http://de.indymedia.org, 13.03.09) (pau)

Besetzung 2: Groß Lüsewitz

In der Nacht vom 2. auf den 3. April wurde ein Versuchsfeld des Agrobiotechnikums Groß Lüsewitz (Mecklenburg-Vorpommern) besetzt. Nachdem das errichtete Camp noch am gleichen Tag geräumt worden war, kündigten die AktivistInnen für die nächsten Wochen eine Dauermahnwache im Dorf und weitere Aktionen an. Mit der Besetzung verfolgten die AktivistInnen das Ziel, die Aussaat von gentechnisch veränderten Pflanzen zu verhindern. Auf den Flächen des Agrobiotechnikums werden verschiedene gentechnisch veränderte Pflanzen versuchsweise angebaut. Der Standort soll als Freisetzungs-Zentrum entwickelt werden, wofür zum Beispiel BioOk gegründet wurde, ein „Dienstleistungsunternehmen”, das Freisetzungen nach der europäischen Richtlinie 2001-18 durchführt und auf Dauer den an der Kommerzialisierung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) interessierten Firmen die Formalia der Zulassungsverfahren für GVO abnehmen will. In den letzten Jahren entwickelte sich entsprechend eine rege Freisetzungspraxis: Angebaut werden und wurden: Gv-Raps, gv-Mais, gv-Kartoffeln, gv-Weizen und gv-Gerste. Gegen diese systematische Ausweitung des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen in Mecklenburg-Vorpommern richtet sich der Protest. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern kommt auch ein besonderer Klüngel zwischen den interessierten Firmen, wissenschaftlichen Institutionen und Regulierungsbehörden zum Tragen. Personen tauchen immer wieder mit verschiedenen Hüten an verschiedenen Stellen auf, so zum Beispiel Inge Broer, Professorin an der Uni Rostock und Mitbegründerin des in Mecklenburg-Vorpommern aktiven Biotech-Fördervereins FINAB oder Kerstin Schmidt, die als Geschäftsführerin verschiedener GmbH in Erscheinung tritt. Dieser „Filz” ist verschiedentlich dokumentiert worden. (http://de.indymedia.org, 03.04.09) (pau)

Monsantos trockenresistenter Mais

Der US-Gentechnikkonzern Monsanto hat in den USA und in Kanada die Zulassung einer gentechnisch veränderten (gv) trockenresistenten Maissorte beantragt. Das gab das Unternehmen Anfang März in einer Pressemitteilung bekannt. Nach Darstellung des Konzerns handelt es sich dabei um die erste Sorte dieser Art. Zulassungsanträge in den Ländern Japan, Mexiko und Korea sollen in den nächsten Monaten folgen, da diese Länder wichtige Exportziele für diesen Mais sind. (PM Monsanto, 09.03.09) (pau)

Monsanto-Mais in Südafrika

Gentechnisch veränderter Mais führt bei Landwirten in der Republik Südafrika zu massiven Ernteausfällen. Betroffen sind etwa ein Viertel der zirka 1.000 Betriebe, die überhaupt gentechnische veränderte Pflanzen des US-Konzerns Monsanto anbauen. Die Pflanzen bilden keine oder nur sehr wenige Körner in den Kolben, was von den Landwirten aber von außen nicht gesehen werden konnte. Erst wenn der Kolben geöffnet werde, sei das Problem zu erkennen. Monsanto sieht die Ursache des Problems, für das nach Aussagen des Konzerns schnell eine Entschädigung gezahlt werden soll, in einer Falschbehandlung des Saatgutes im Labor, die dazu geführt habe, dass die Fruchtbarkeit des Mais reduziert sei. Es seien aber noch weitere Untersuchungen notwendig, um die Probleme detailliert zu klären. Einen Zusammenhang mit der Gentechnik wird vom geschäftsführenden Direktor von Monsanto in Südafrika, Kobus Lindeque, bestritten. Dem widerspricht Mariam Mayet, die Direktorin des Afrikanischen Zentrums für Biologische Sicherheit, einer Nichtregierungsorganisation: „Wir warnen seit Jahren vor den Folgen der Agro-Gentechnik. Wir haben auch Monsanto gewarnt.” Mayet fordert entsprechend ein Verbot aller gentechnisch veränderter Pflanzen in Südafrika (Digital Journal, 29.03.09, www.digitaljournal. com) (pau)

Gabriel stützt nationale Verbote von MON810

Wenn sich auch die Bundesregierung bisher nicht zu einem Verbot des gentechnisch veränderten Mais MON810 hat durchringen können, so stimmt sie in Brüssel wenigstens nicht gegen die Vorsorgemaßnahmen anderer Länder. Nach dieser Devise hat Bundesumweltminister Siegmar Gabriel Anfang März in Brüssel, gemeinsam mit den meisten anderen EU-Mitgliedstaaten einen Vorschlag der EU-Kommission zurückgewiesen. Demzufolge sollten Ungarn und Österreich ihre Verbote für gentechnische veränderte Sorten aufheben. Im Detail ging es um drei Entscheidungsvorschläge der Europäischen Kommission zur Aufhebung der Anbauverbote für Mais T25 und MON810. In allen drei Abstimmungen musste die Kommission Niederlagen einstecken. Für die Kommission, und damit für die Aufhebung der nationalen Verbote auf der Basis der Freisetzungsrichtlinie, stimmten Estland, Finnland, Großbritannien, die Niederlande und - allerdings nur bei den Entscheidungen um MON810-Mais - Schweden. In den Abstimmungen gab es keine Enthaltungen. (Mitteilung des österreichischen Ministeriums für Gesundheit, www.bmgf.at; siehe auch den Beitrag „Rauschen im Blätterwald” von Christof Potthof in diesem Heft) (pau)

Weniger gv-Soja in Mato Grosso

Wie die Nachrichtenagentur Reuters in ihrem Online-Dienst mitteilt, werden in dem brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso weniger gentechnisch veränderte Sorten der Ölfrucht angebaut als in den vorangegangenen Jahren. Die Agentur zitiert den Sojafarmer Jeferson Bif, der in der Nähe der Soja-Hauptstadt Sorriso auf etwa 1.800 Hektar konventionelle Soja anbaut: „Wir sehen hier in der Region immer weniger gentechnisch veränderte Soja. Der Ertrag ist einfach nicht gut.” Er selbst erziele im Durchschnitt etwa 58 Säcke (à 60 Kilogramm) je Hektar, die Kollegen, die die gentechnisch veränderten Sorten gepflanzt hätten, haben in der letzten Pflanzsaison zehn Säcke weniger geerntet. Mato Grosso ist der Bundesstaat Brasiliens mit der größten Sojaanbauflächen des Landes, davon wird etwa die Hälfte mit gentechnisch veränderten Sorten bewirtschaftet. Die Landwirte des Bundesstaates profitierten von einer besseren Beratung durch Mitarbeiter von Saatgutfirmen und durch Vertrer von staatlichen Stellen. Das würde auch bei den konventionellen Sorten zu besseren Erträgen führen, heißt es in dem Bericht weiter. (www.reuters. com, 13.03.09) (pau)

Gv-Mais sicher?

WissenschaftlerInnen der Technischen Universität München haben im Auftrag des Bayerischen Landtages Ergebnisse aus einem Langzeitfütterungsversuch mit gentechnisch verändertem Mais MON810 veröffentlicht. Denen zufolge unterscheidet sich die Futterqualität des gentechnisch veränderten Mais nicht von der der nicht gentechnisch veränderten, so genannten isogenen Schwesterlinien. „Die Verfütterung (...) hatte keine beeinträchtigende Auswirkungen auf die Leistungs- und Stoffwechselparameter der Milchkühe”, schreibt das Bayerische Landwirtschaftsministerium in seiner Zusammenfassung für den bayerischen Landtag. An den Tieren konnten keine Auffälligkeiten festgestellt werden. Die WissenschaftlerInnen hatten 18 Kühe über einen Zeitraum von 25 Monaten mit gentechnisch verändertem Mais (MON810) gefüttert und in regelmäßigen Abständen Kot, Blut und Milch (jeweils monatlich), Urin (zweimonatlich) und Futter (wöchentlich) auf das Vorhandensein von gentechnisch veränderter DNA und das in den gentechnisch veränderten Pflanzen neu produzierte Insektengift untersucht. Als Kontrollgruppe wurden 18 weitere Kühe mit konventionellen - isogenen - Maispflanzen gefüttert. Auffällig an den Ergebnissen ist zunächst, dass in beiden Untersuchungs-Gruppen neun Tiere ersetzt werden mussten, weil andere Tiere wegen nicht eingetretener Schwangerschaft oder Ausfall durch Tod, nicht alle notwendigen Daten lieferten. Eine Ausfallquote von fünfzig Prozent ist ein außergewöhnlich hoher Wert und sollte zumindest dazu führen, dass in der Darstellung der Ergebnisse über ihn diskutiert wird. Darauf verzichteten die Wissenschaftler der TU-München jedoch vollständig. Sie erwähnen die Ausfälle, machen aber keine Angaben zu den näheren Umständen. Die Untersuchungen wurden auf Antrag der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag durchgeführt und vom Freistaat Bayern mit 429.750 Euro finanziert. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind auch in Fachjournalen publiziert worden, allerdings handelt es sich bei den beiden eigentlichen, begutachteten Fachartikeln um Beiträge, die sich mit der Entwicklung von Nachweismethoden beschäftigen. Die Ergebnisse der Fütterungsstudie an sich wurden nur einem „low level”-Begutachtungsprozess im Rahmen eines Kongresses unterzogen und sind dann auch nur als Kongressbeitrag veröffentlicht. (Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten: „Vorstellung der Ergebnisse der Fütterungsversuche bei Milchkühen mit MON 810-Mais”, 25.03.09; Vijay und Kollegen (2008) in Analytica Chimica Acta, Band 607; Guertler und Kollegen (2009) in Analytical and Bioanalytical Chemistry, Band 393; Gürtler und Kollegen und Steinke und Kollegen (beide 2009), in Proceedings of the Society for Nutritional Physiology (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie), Band 18) (pau)

Keine freie Forschung mit gv-Mais

26 führende US-amerikanische Mais-Spezialisten haben sich mit einer, wie die New York Times schrieb, „ungewöhnlichen” Stellungnahme zu Wort gemeldet. Die WissenschaftlerInnen beklagen, dass es nicht möglich sei, wirklich unabhängige Forschung über die Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen durchzuführen. Ihre Eingabe richteten sie an die nationale Umweltbehörde der USA, die EPA. Diese hatte im Vorfeld eines Treffens, das sich mit speziellen Fragestellungen des Anbaus von gentechnisch veränderten Mais beschäftigen sollte, um Kommentare gebeten. Die WissenschaftlerInnen kommen ausnahmslos von öffentlichen Forschungseinrichtungen. Ihre Namen wurden nicht veröffentlicht, da sie alle von gewissen Kooperationen mit den kritisierten Industrieunternehmen abhängig sind, um ihre Forschung überhaupt durchführen zu können. (New York Times, 20.02.09; www.regulations.gov, Dokumenten-ID: EPA-HQ-OPP-2008-0836-0043) (pau)

Erschienen in
GID-Ausgabe
193
vom April 2009
Seite 24 - 27