Rezension: Pränataldiagnostische Detailfragen

Beiträge einer von der Berliner Evangelischen Akademie und dem Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität Halle veranstalteten Tagung unter dem Titel „Vorgeburtliches Leben” im Mai 2013 sind in einem Buch versammelt, dessen Cover impliziert, dass es vor allem um neueste pränatale Untersuchungstechniken geht: Dort ist ein vermutlich weiblicher Arm zu sehen, dem gerade Blut abgenommen wird. Tatsächlich geht es in den Beiträgen aber nicht nur um nicht-invasive Diagnostik, sondern auch um Ultraschall und Screening, um rechtliche Regelungen und pränatale intrauterine fetale Chirurgie, um pränatale Beratungssituationen, um Krankenkassenfinanzierung und IgeLeistungen. Der Sammelband soll dazu dienen, „Herausforderungen vorgeburtlicher Therapie und Diagnostik zu diskutieren“, so die HerausgeberInnen im Vorwort, und „davon ausgehend Perspektiven für die Weiterentwicklung und (Neu-) Gestaltung von Beratungs- und Versorgungsstrukturen aufzuzeigen“. Die Tagung richtete sich offensichtlich an ein Fachpublikum, das über interdisziplinäres Spezialwissen verfügt, daher beleuchten die meisten Beiträge Detailfragen. Das ist nicht uninteressant, da sich auf den verschiedenen Gebieten gerade viel bewegt und man sich mit Hilfe des Sammelbandes auf den neusten Stand bringen kann. Leider ist aber der von den HerausgeberInnen behauptete Fokus darauf, wie die „Durchsetzung einer bestimmten Norm gegenüber krankem und behinderten Leben verhindert werden kann“, eher eine Randerscheinung des Bandes, die Frage wird nur in einzelnen Beiträgen thematisiert. Es bleibt also den LeserInnen überlassen, das Buch unter diesem Blickwinkel zu studieren und die Beiträge daraufhin zu befragen.
Kirsten Achtelik
➤ Florian Steger, Simone Ehm und Michael Tchirikov (Hrsg.): Pränatale Diagnostik und Therapie in Ethik, Medizin und Recht, Springer-Verlag Berlin (2014), Hardcover, 166 Seiten, 46,99 Euro, ISBN 978-3-642-45254-3.

GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
226
vom November 2014
Seite 41

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