Glossar

zum Schwerpunkt Schwangerschaft & Geschlecht

Als kleine Sprachhilfe für die Lektüre dieses Schwerpunktes (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) erklären wir hier reproduktionsmedizinische (Fach-)Wörter und beschreiben einige der vorkommenden Bezeichnungen der geschlechtlichen und sexuellen Vielfalt.

Louise Aloupic

Nicht nur Frauen können schwanger werden. Bild: © Louise Aloupic

Die Begriffe sind bei Erstnennung im Text gekennzeichnet, bzw. verlinkt. Beschreibungen sind wohlgemerkt keine Definitionen, da die geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung nur von jeder Person selbst definiert werden können.1

Queer ist ein offener Begriff, der alle einschließt, die mit ihrem Aussehen und/oder Verhalten heteronormativen Vorstellungen nicht entsprechen. „Queer“ kann praktisch gelebt und als Selbstbezeichnung von Personen oder Bewegungen genutzt werden. Das Wort wird im deutschen Sprachgebrauch teilweise als Oberbegriff für LSBTI* verwendet.2 Gleichzeitig ist es ein wissenschaftlich geprägter Begriff (Queer Theory), welcher die feministische Kritik an der herrschenden Heteronormativität bezeichnet.

Geschlechtliche Identität / Gender meint das „soziale Geschlecht“ (eng. „gender“) also das empfundene Geschlecht einer Person. Dieses kann oder kann nicht mit dem „biologischen Geschlecht“ (eng. „sex“), welches sich durch körperliche Geschlechtsmerkmale wie z.B. Genitalien oder die sog. Geschlechtschromosomen definiert, übereinstimmen.

Cis (lat. cis = „diesseits“) bezeichnet Personen, deren geschlechtliche Identität mit dem bei der Geburt zugewiesenen männlichen oder weiblichen „biologischen Geschlecht“ übereinstimmt.

Trans* (lat. trans- = „jenseits von“, „über … hinaus“) wird häufig als Oberbegriff verwendet, um unterschiedliche geschlechtliche Identitäten zusammenzufassen. Trans* Personen fühlen sich nicht – oder nicht nur – dem Geschlecht zugehörig, das ihnen bei der Geburt zugeschrieben wurde. Manche verstehen sich eindeutig als Frau oder Mann, manche verorten sich zwischen oder jenseits dieser binären Geschlechterkategorien (Selbstbezeichnungen sind z.B. nicht-binär, genderfluid). Die Identität kann oder kann nicht mit dem äußeren Erscheinungsbild einer Person „zusammenpassen“. Manche trans* Personen verändern ihre Körper durch Hormone und/oder Operationen, andere nicht. Das Sternchen * steht als Platzhalter für alle Begriffe, die an die Vorsilbe trans- angehängt werden können.

Transition bezeichnet den Prozess der Veränderungen einer Person bezogen auf die geschlechtliche Identität. Die Schritte, die Reihenfolge und die zeitliche Dimension dieses Prozesses sind individuell verschieden. Beispielsweise können Namens- oder Pronomenänderungen, Hormontherapien oder Operationen Teil einer Transition sein – müssen es aber nicht.
Passing meint das „Durchgehen“ der geschlechtlichen Identität einer Person. Wird beispielsweise eine trans-männliche Person als männlich „gelesen“, so hat diese Person ein gutes Passing.

Misgendern bedeutet eine Person in einer für sie unpassenden Geschlechtsidentität wahrzunehmen und zu adressieren. Meist bezieht sich der Begriff auf „falsche“ geschlechtliche Anreden (wie „Herr“ oder „Frau“) oder Pronomen (wie „er“ oder „sie“).

Deadname (dt. „toter Name“) bezeichnet die Vornamen von trans* oder inter* Personen, die diese nicht mehr verwenden. Meist sind dies Vornamen, die bei der Geburt eingetragen wurden und eine Zugehörigkeit zum festgestellten „biologischen Geschlecht“ ausdrücken, die nicht mit der geschlechtlichen Identität übereinstimmt. Die Verwendung des Deadnames wird von trans* und inter* Personen häufig als verletzend und gewaltvoll erlebt.

Inter* bezeichnet einerseits Menschen, deren Körper sowohl „männliche“ als auch „weibliche“ Merkmale aufweist bzw. die genetisch oder hormonell nicht als „eindeutig männlich“ oder „eindeutig weiblich“ eingeordnet werden können.3 Inter* ist ebenso eine emanzipatorische und selbstermächtigte Positionierung.

Divers ist der seit 2018 zulässige positive Geschlechtseintrag für inter* Personen. Bei Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung über das „Vorliegen einer Variante der Geschlechtsentwicklung“ kann die sog. dritte Option gemäß § 45b Personenstandsgesetz beim zuständigen Standesamt in die Geburtsurkunde eingetragen und nach Wunsch der Vorname geändert werden.

Heteronormativität bezeichnet eine diskriminierende Haltung, die Heterosexualität (hetero- dt. „verschieden; ungleich“ – gegenüber homo- „gleich“) als die normale Sexualität einstuft und andere Formen von Sexualität als Abweichung, unnormal oder sogar krankhaft begreift.

Intersektionalität (eng. „intersection“ = „Schnittpunkt; Schnittmenge“) bezeichnet das Aufeinander- und Miteinander-Wirken verschiedener sozialer Kategorien – wie z.B. Geschlecht, Alter, Herkunft, Behinderung, sexuelle Orientierung oder Religion – und bezieht diese in die Betrachtung von Diskriminierungsformen mit ein.

Intrauterine Insemination (IUI; „Besamung“ im Uterus) ist eine Form der medizinisch assistierten Reproduktion und kann den Eintritt einer Schwangerschaft mit einer Samenspende ermöglichen. Hierbei wird das aufbereitete Sperma einer Samenbank i.d.R. durch eine ärztliche Person mit Hilfe eines Katheters zum Zeitpunkt des Eisprungs in den Uterus der Person übertragen, die schwanger werden möchte.4

Die „Bechermethode“ (auch Eigen-, Heim- oder Selbst-Insemination) erfolgt durch die Person(en) mit Kinderwunsch selbst, zeitlich nahe dem Eisprung der Person, die schwanger werden möchte. Das Sperma stammt von einer bekannten Person („privater Spender“). Diese ejakuliert in einen Becher (z.B. Urinbecher aus der Apotheke) und das Sperma wird anschließend in die Vagina der Person übertragen, die schwanger werden möchte. Dies kann zum Beispiel mit Hilfe einer Spritze, einer Cervixkappe, einem Diaphragma oder einer Menstruationstasse erfolgen.4

  • 1. Die Beschreibungen dieses Glossars sind teilweise angelehnt an die „Fibel der vielen kleinen Unterschiede“ von ANDERS & GLEICH - LSBTIQ* in NRW. LAG Lesben in NRW e.V. (Hg.) (2019): „Die Fibel der vielen kleinen Unterschiede“, 10. aktualisierte und überarbeitete Auflage, Düsseldorf.
  • 2. Die Buchstabenkombination LSBTI* steht für lesbisch, schwul, bi, trans, inter - das Sternchen * steht als Platzhalter für alle geschlechtlichen Identitäten, die nicht cis sind, sowie für sexuelle Orientierungen, die nicht hetero sind.
  • 3. Mehr Informationen z.B. unter www.intersexuelle-menschen.de.
  • 4. a. b. Für eine ausführlichere Beschreibung der Reproduktionsmöglichkeiten mit Hilfe einer Samenspende siehe Artikel „Begründete ‚Ungleichbehandlung‘“: www.kurzelinks.de/gid256-ts [letzter Zugriff: 03.02.2021].

Taleo Stüwe ist Mediziner*in und Mitarbeiter*in des GeN.

zur Artikelübersicht

GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
256
vom Februar 2021
Seite 7 - 8

Nur durch Spenden ermöglicht!

Einige Artikel unserer Zeitschrift sowie unsere Online-Artikel sind sofort für alle kostenlos lesbar. Die intensive Recherche, das Schreiben eigener Artikel und das Redigieren der Artikel externer Autor*innen nehmen viel Zeit in Anspruch. Bitte tragen Sie durch Ihre Spende dazu bei, dass wir unsere vielen digitalen Leser*innen auch in Zukunft aktuell und kritisch über wichtige Entwicklungen im Bereich Biotechnologie informieren können.

Ja, ich spende!  Nein, diesmal nicht