Rezension: Juristische Praxis in den Life Sciences

 

Juristische Praxis - oder?

Mit dem Wachstum der ökonomischen Relevanz gen- und biotechnologischer Anwendungen in den letzten Jahren erhöhte sich auch die juristische Regelungsdichte auf diesem Gebiet. Die Regelungen des deutschen und europäischen Rechts liegen nun zusammengefasst unter dem Titel "Juristische Praxis in den Life Sciences" in einem Band vor. Dabei ist dessen Titel irreführend, nicht die juristische Praxis - das heißt die Auslegung der Vorschriften durch Gerichte und Rechtswissenschaft - wird erläutert, sondern eine reine Geset-zessammlung zusammengestellt. Der Titel der Vorauflage von 2003 "Bio-technologie. Gesetze, Verordnungen, Richtlinien" klang zwar nicht so mo-disch, gab den Inhalt aber besser wieder. Herausgeber sind die Hamburger WirtschaftsanwältInnen Dominique Jaeger und Klaus Matzen. Bemerkenswert ist, dass diese Gesetzessammlung nicht von einem der großen juristischen Fachverlage herausgebracht wurde, sondern von der Biocom AG, einer publizistischen Serviceagentur der Biotechnologie-Wirtschaft, die unter anderem im Auftrag des Bundesforschungsministeriums das Portal www.biotechnologie.de betreibt. Die für die Publikation der Sammlung gewählte Form eines Hartcoverbandes ist nicht die praktikabelste. Angesichts der stetigen technischen und rechtlichen Entwicklung wäre meines Erachtens eine Loseblattsammlung angemessener gewesen. Auch das Register ist nicht optimal gestaltet, da es zu den Stichworten nur Seitenzahlen und nicht auch Gesetz und Paragraph nennt. Davon abgesehen wird diese Sammlung, die unter anderem Vorschriften des Gentechnik-, Medizin-, Verbraucherschutz- und Arbeitsrechts enthält, dem von den HerausgeberInnen erhobenen Anspruch gerecht, die Vorschriften für die komplette gen- und biotechnologische Wertschöpfungskette vom Forschungslabor bis zur ökonomischen Verwertung darzustellen.

 

Klaus Matzen und Dominique Jaeger (Hrsg.): Juristische Praxis in den Life Sciences, Biocom AG, Berlin 2006, ISBN3-928383-26-4, 68 Euro.

Hannes Püschel studiert Rechtwissenschaften an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder.

zur Artikelübersicht

GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
181
vom April 2007
Seite 59