Rezension: Weil es dich gibt
Viele Paare haben den Wunsch nach einem gemeinsamen Kind. Dass dieses Kind gesund sein wird steht für alle fest, denn, dass das eigene Kind behindert sein könnte ist kaum vorstellbar. Was aber, wenn bei einer Untersuchung im Laufe der Schwangerschaft genau diese unmögliche Diagnose gestellt wird? Ist Abtreibung die einzige Möglichkeit oder kann man auch mit einem behinderten Kind glücklich sein und ihm ein erfülltes Leben schenken? Oftmals entscheiden Paare binnen kürzester Zeit, dass für sie nur eine Spätabtreibung in Frage kommt. Die Beweggründe sind vielseitig. Sie haben keine Zeit und Nerven, sich um ein behindertes Kind zu kümmern und die Angst vor der Ablehnung in der Gesellschaft ist groß. Zudem gibt es nicht genügend Aufklärung im Umgang mit einem behinderten Kind. Dabei vergessen die meisten, dass auch ein solches Kind trotz vieler Einschränkungen und Belastungen eine enorme Lebensfreude entwickeln kann. Gisela Hinsberger, die Autorin des Erfahrungsberichtes, entschied sich dafür, ihr Kind zu bekommen, obwohl sie wusste, dass es mit spina bifida, einem offenen Rücken, geboren werden und auch nie laufen können wird. Sie schildert den gesamten Lebensweg mit ihrer kleinen Tochter Sofie. Von der Diagnose zur Geburt, über unsagbare Lebensfreude bis hin zum schmerzhaften Tod. Die einzelnen Kapitel sind sehr knapp gehalten und werden mitunter von Zitaten wie „Ich liebe das Leben zu sehr, um nur glücklich sein zu wollen“ (Paul Bruckner) eingeleitet. Der gesamte Schreibstil ist sehr persönlich gehalten, sodass die Geschichte sehr ergreifend ist und der Leser mitfühlen kann. Es wird immer wieder beschrieben, dass Sofie trotz allem ein normales Kind ist, welches zum Beispiel auch mit Puppen spielt. Bei diesen Spielen stellt sie ihre eigene Siuation dar, wodurch gezeigt wird, dass sie genau wahrnimmt, was mit ihr und um sie herum passiert. Es sind oftmals Situationen, die sie im Krankenhaus zeigen. Als Sofie ihren Rollstuhl bekommt, ist sie überglücklich. Sie kann sich dadurch freier bewegen und ist nicht mehr nur auf ihre Eltern oder ihren älteren Bruder Max angewiesen. Die Rolle des Bruders wird auch deutlich: Max ist das Schattenkind. Oftmals überschlagen sich die Ereignisse so sehr, weil Sofie wieder ins Krankenhaus muss, dass man ihn vergisst. Es herrscht ein ständiges Leben mit der Angst. Am Ende wünscht sich Gisela Hinsberger einfach nur mehr Ehrlichkeit von den Ärzten. Die Geschichte geht sehr zu Herzen und man kann das Buch nicht mehr zur Seite legen. Es wird ein guter Einblick in das Leben mit einem behinderten Kind vermittelt. Dieser Alltag ist „anstrengend, schwierig und schön“. Gisela Hinsberger erlebt viel Ablehnung in der Gesellschaft, aber sie lernt sich durch Sofie auch besser kennen. Es sind am Ende die kleinen Dinge, die man mehr zu schätzen weiß und die dem Leben einen Sinn geben.
Mandy Scholz