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Weitere Bücher

Metaphern in den Biowissenschaften

„Genschere“ und „Genomeditierung“ sind oft bemühte Metaphern für auf CRISPR beruhende gentechnologische Verfahren. Inwiefern prägen diese sprachlichen Bilder die Vorstellungen von neuen Gentechniken in Wissenschaft und Gesellschaft? Dieser Frage widmet sich Christina Brandt. In ihrem Gutachten untersucht die Professorin für Geschichte und Philosophie der Naturwissenschaften die Rolle von Metaphern in Debatten über neue Gentechnologien.

Brandt, C. (2026): Metaphern – Ihre Rolle für CRISPR und andere Genome Editing-Verfahren. In: Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich EKAH Willemsen, A. (Hg.): Beiträge zur Ethik und Biotechnologie, Band 19. Bundesamt für Bauten und Logistik BBL, 183 Seiten, kostenloses Taschenbuch und PDF, ISBN: 978-3-95261-390-0, online: www.kurzlinks.de/gid276-ta.

 

Geschichte der deutschen Bioethik

Die Philosophin Petra Gehring beschreibt die Geschichte der Bioethik in Deutschland mit Blick auf Debatten über Abtreibung, Sterbehilfe, Pränataldiagnostik und Gentechnik. In Gehrings Beschreibung fanden diese Debatten in einem komplexen Zusammenspiel aus Parlamenten, Massenmedien und Protestbewegungen statt, ebenso wie in interdisziplinären Verhandlungen der Wissenschaftsdisziplinen Medizin, Recht, Theologie und Philosophie.

Gehring, P (2025): Biegsame Expertise. Geschichte der Bioethik in Deutschland. Suhrkamp, 1.343 Seiten, 78,- Euro, ISBN: 978-3-51858-820-8.

 

Zweischneidiges Schwert

Rebecca Monteleone untersucht das Spannungsverhältnis zwischen medizintechnologischen Entwicklungen und ihren Nutzer*innen, denen diese Technologien einerseits Autonomie versprechen, ihnen andererseits aber auch eine Verantwortung für Anpassungen an eine ableistische Umwelt zuweisen. Dabei lässt sie die Perspektiven und Erfahrungen von Nutzer*innen dreier ganz unterschiedlicher Technologien zu Wort kommen: vorgeburtliche Gentests, tiefe Hirnstimulation und von Patient*innen entwickelte OpenSource-Systeme zur Behandlung bei Typ1-Diabetes. Zudem entwirft die Professorin der Disability and Technology Studies ein Zukunftsszenario, in dem sich medizinische Innovationen an der gelebten Erfahrung behinderter und chronisch kranker Menschen und ihren Bedürfnissen orientieren.

Monteleone, R. (2025): The Double Bind of Disability. How Medical Technology Shapes Bodily Authority. University of Minnesota Press. Englisch, 216 Seiten, 25,- Euro, ISBN: 978-1-51791-768-5.

 

Wem gehört der Repromarkt?

Dieser Sammelband aus der Reihe „Strukturwandel des Eigentums“ geht der Frage nach den Besitzverhältnissen hinter Reproduktionstechnologien nach – konzeptionell, rechtlich und theoretisch, aber auch ganz praktisch, etwa wenn es um Investor*innen auf dem Fertilitätsmarkt geht. Wie lässt sich Eigentum an Materialien menschlichen Ursprungs konzeptualisieren? Was macht der rechtliche Status von Eizellen und Embryonen etwa mit Abtreibungsrechten? Wie wird race auf dem Repromarkt zu einem monetarisierbaren Marker? Die Beiträge beleuchten verschiedene Aspekte von Reproduktion im Kapitalismus. Der letzte Abschnitt widmet sich Perspektiven Reproduktiver Gerechtigkeit auf Ökonomien assistierter Reproduktion.

Graefe, S./Herb, I./Lettow, S. (Hg.) (2025): Dimensions of Property in Reproductive Economies. Practices, Structures, and Discourses. campus Verlag, Englisch, 336 Seiten, Print: 40,- Euro, ISBN: 978-3-59351-926-5; eBook: kostenlos, ISBN 978-3-59345-840-3.

 

Medien & Materialien

Gentechnik für den Naturschutz?

Lässt sich die Anwendung neuer Gentechniken auf wildlebende Organismen mit den Zielen des Naturschutzes vereinbaren? Eine neue Studie im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz untersucht diese Fragestellung aus philosophischen, naturschutzhistorischen, wissenschaftstheoretischen, ethischen und gesellschaftspolitischen Perspektiven. Sie basiert auf Literaturrecherchen und -auswertungen, Analysen und Workshops mit Expert*innen.

Potthast, T./Bossert, L. (2025): Naturschutzphilosophische und -ethische Analyse zu gentechnischer Veränderung wild lebender Organismen. Online: www.kurzlinks.de/gid276-tb.

 

Was die Einigung im Trilog bedeutet

Nach der Einigung im Trilogverfahren zur EU-Deregulierung neuer Gentechniken organisierte die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e. V. (AbL) eine Online-Veranstaltung, um über den Beschluss und dessen Folgen für Landwirtschaft, Züchtung und Verbraucher*innen zu informieren. Die Referent*innen zeigten auch verbleibende Einflussmöglichkeiten im Gesetzgebungsprozess auf. Eine Aufzeichnung der Veranstaltung ist online verfügbar.

AbL (16.12.2025): AbL-Online-Veranstaltung zum Trilog-Beschluss und Folgen für Landwirtschaft, Züchtung und Wahlfreiheit. Video, ca. 65 Minuten, www.kurzlinks.de/gid276-tc.

 

Patente, die Pflanzensorten betreffen

Das Europäische Patentamt erteilte zwischen Januar und November 2025 40 Patente, die die konventionelle Pflanzenzucht betreffen, wie eine aktuelle Recherche von „No Patents on Seeds!“ zeigt. Sieben dieser Patente konnte die Initiative in der PINTO Datenbank der europäischen Saatgutindustrie ausfindig machen. Sie wirken sich auf 145 Pflanzensorten aus. Das Hintergrundpapier listet die Patente und verdeutlicht die Problematik. 

No Patents On Seeds! (2025): Hintergrund: 7 Patente betreffen 145 konventionell gezüchtete Pflanzensorten. www.no-patents-on-seeds.org/de/7-Patente-Bericht.

 

Geschäft mit geschlechtsselektiver IVF

Auf Zypern hat sich der Gesundheitstourismus zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Hierzu gehören auch Fertilitätsbehandlungen und Praktiken, die in Deutschland und den meisten anderen EU-Ländern verboten sind, wie beispielsweise die Auswahl von Embryonen nach Geschlecht mittels Präimplantationsdiagnostik. Für europäische Wunscheltern geografisch vorteilhaft und deutlich kostengünstiger als die USA, ist Zypern zu einem wichtigen Standort geworden. Der Deutschlandfunk hat dazu mit deutschen Kund*innen, Mitarbeiter*innen von Kliniken in Nordzypern und Expert*innen gesprochen.

Deutschlandfunk (16.12.2025): Kinderwunsch – Geschlecht auf Bestellung in Nordzypern. Audio, 18 Minuten, online: www.kurzlinks.de/gid276-td.

 

Dystopische Biotechfantasien – ganz real

Nachdem der US-amerikanische Tech-Milliardär Brian Armstrong auf der Platform X einen „Gattaca Stack“ prognostiziert hat, mit dem künftig Kinder geboren werden, dokumentiert eine Webseite „Fortschritte“ in diese Richtung. Gattaca ist ein Film von 1997, in dem Embryonen genetisch selektiert und Menschen anhand ihrer Genetik diskriminiert werden. Nach Wunsch von Investor*innen aus dem Silicon Valley sollen bereits existierende und zukünftige Reproduktionstechnologien dazu beitragen, die Evolution zu beschleunigen und den Geburtenrückgang auszugleichen. Die Webseite nennt das die „industrielle Revolution für die menschliche Fortpflanzung“ und listet auf, welche Labore und Firmen an welchen Technologien arbeiten. Ein Impressum hat sie nicht.

www.gattacastack.com

Erschienen in
GID-Ausgabe
276
vom Februar 2026
Seite 21 - 22

GID-Redaktion

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