Editorial

Elfenbeinturm - wie im richtigen Leben ...

US-amerikanische Wissenschaftler lügen und betrügen - was soll man dazu sagen. Eine wissenschaftliche Untersuchung, die passenderweise von US-amerikanischen WissenschaftlerInnen durchgeführt wurde, kommt zu dem Schluss, dass in vielen wissenschaftlichen Arbeiten nicht korrekt gearbeitet wird. Zum Beispiel gaben etwa 15 Prozent der mehr als 3.000 anonym befragten ForscherInnen zu, innerhalb der vergangenen zehn Jahre wegen des Drucks von Geldgebern das Versuchsdesign, Ergebnisse oder Methoden einer Arbeit geändert zu haben. Weitere gern genommene Mogeleien waren das Weglassen von Ergebnissen oder das Übersehen von fehlerhaften Daten bei KollegInnen. Der Hauptgrund für ein solches Verhalten liegt nach Ansicht des Autors der Studie, Brian Martinson, in dem wachsenden Druck auf die Forscher durch die Konkurrenz bei der Erstellung von Publikationen und dem Einwerben von Förderungen ... Andere Baustelle: "Damit zeigt sich deutlich, dass das Interesse der Landwirtschaft an den Vorteilen der modernen Biotechnologie trotz der schwierigen Rahmenbedingungen in Deutschland nicht nachgelassen hat." ... In Anbetracht von weniger als 350 Hektar Anbaufläche mit gentechnisch veränderten Sorten in Deutschland erscheint die Wortwahl der Pressemitteilung zum Erprobungsanbau zumindest euphemistisch, waren doch im vergangenen Jahr schon auf Versuchsflächen fast ebensoviel Hektar mit Bt-Mais bepflanzt worden. Interessant ist vielmehr, dass sich die ursprünglich angemeldete Fläche bis zur Aussaat um etwa zwei Drittel reduziert hatte, was sicher nicht unerheblich mit dem Widerstand in den Regionen zusammen hing. Dieser ist von breiten Bündnissen getragen und zeigt in Verbindung mit mehr als 500.000 Hektar landwirtschaftlich bewirtschafteter Fläche in öffentlich proklamierten gentechnikfreien Regionen vor allem Eines: Die Landwirtschaft ist nicht nur nicht überzeugt von der Gentechnik, sie steht dagegen!
Eine interessante Lektüre wünscht Die GID-Redaktion

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GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
170
vom Juni 2005
Seite 2