Rezension: Kommerzialisierung der Medizin

Fabian Karsch hat in seiner soziologischen Dissertation den deutschen Diskurs um die Kommerzialisierung ärztlichen Handelns untersucht. Zu dieser haben neben der Einführung der Selbstzahler-Leistungen auch die Gesundheits-Definition der WHO mit ihrer Verschiebung von Krankheitsvermeidung auf Wohlbefinden sowie die Einführung des Leidensdruckes als Behandlungskriterium beigetragen. Letzteres macht er anschaulich an den Begründungen der Schönheitschirurgie durchführenden Ärzte, die Figur ist aber auch aus der Ausweitung der Pränataldiagnostik bekannt. Das Buch ist eine anschauliche Zusammenfassung der Debatte um Kommerzialisierung im Gesundheitssystem. Leider schwächelt das Buch im letzten Drittel. Statt einer weitergehenden Analyse werden die bereits dargelegten Thesen mit nur leicht geändertem Blickwinkel wiederholt. Karsch kann auch in der von ihm beschriebenen Kommerzialisierung kein grundsätzliches Problem erkennen, solange die professionelle ärztliche Ethik stabil bleibt. Die zunehmende Verschiebung der Problemorientierung auf Krankheit zu einer Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Patienten-Kunden wird nur dann als schwierig empfunden, wenn sie das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient gefährdet.

Kirsten Achtelik

➤  Fabian Karsch: Medizin zwischen Markt und Moral. Zur Kommerzialisierung ärztlicher Handlungsfelder, transcript (2015), 32,99 Euro, 256 Seiten, ISBN 978-3-8376-2890-6.

GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
232
vom Oktober 2015
Seite 44

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