Editorial: Reisezeit
Wenn Frühlingsanfang und Endredaktion zusammenfallen, kann es eigentlich im Büro nur gute Stimmung geben. „Endredaktion“ ist bekanntlich die Zeit im Büro, die sich wie High Noon anfühlt. Dieses Gefühl lässt sich sogar noch steigern, wenn beispielsweise gerade fünf vor zwölf der Teamkollege „Agro-Gentechnik“ noch kreuz und quer und auf und ab durch die Republik tourt. Die KollegInnen bangen: Wird er seine Beiträge noch rechtzeitig zum Redaktionsschluss schaffen? Während noch die Wetten abgeschlossen werden, ein kurzer Blick auf ein anderes Thema: Das zähe Ringen um das Gendiagnostikgesetz hält an, die Koalitionäre scheinen sich vorwahlkämpferisch festgebissen zu haben; wenn das Gesetz verabschiedet wird, dann, so hörten wir, noch im Mai. Auch die Unterstützung durch die Frankfurter Rundschau half allerdings nicht, unseren Forderungen Gehör zu verschaffen, die diskriminierenden DNA-Tests bei Familiennachzug nach Deutschland aus dem Entwurf zu streichen. Doch noch ist nicht das letzte Wort gesprochen ... Die Tür zum Büro von GeN und GID öffnet sich und tatsächlich: Eine Minute vor dead line braust Herr P. herein und wedelt mit einem Packen Papier. Er kommt aus Greifswald, wo wenige Stunden zuvor die Bürgerschaft getagt hat. An den Papieren haftet also noch - quasi - die knisternde Atmosphäre in den historischen Ratsräumen der Hansestadt! Historisch war auch das Ergebnis dieser Sitzung vom 30. März: Nachdem Herr P. die Daten und Fakten zum Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen dargelegt und die ökologischen und ökonomischen Widersinnigkeiten ausgebreitet hat, beschloss die Bürgerschaft mit Stimmen aus den meisten Fraktionen und einer deutlichen Mehrheit, dass die Hansestadt Greifswald zur gentechnikfreien Region erklärt werden soll. Bravo und Applaus, wir gratulieren!
GID-Redaktion