Rassismus in den Lebenswissenschaften

Schwerpunkt

Diversität biologisch dingfest zu machen, ist das Motto der Genomik. Eng verknüpft mit der Kategorisierung von Menschengruppen sind rassistische Visionen und Praktiken. Wir widmen diesen Schwerpunkt einem weiter zentralen Moment der Humangenetikkritik. Und wir zeigen, dass einmal heraufbeschworene „Biomarker“ in viele gesellschaftliche Anwendungsbereiche „wandern“.

Impressum

GID 197, Dezember 2009, 25. Jahrgang, ISSN 0935-2481, Redaktion: Theresia Scheierling (ViSdP), Monika Feuerlein, Christof Potthof, Susanne Schultz, Alexander v. Schwerin, Uta Wagenmann, Sulane Mustafa

Artikel in dieser Ausgabe

  • Rassifizierung ohne „Rasse”

    AG gegen Rassismus in den Lebenswissenschaften Alex Pisarek Karsten Mayer

    Im neu erschienenen Sammelband „Gemachte Differenz“ zeigt die Berliner „AG gegen Rassismus in den Lebenswissenschaften“: Ein biologisch begründeter Rassismus spielt im Wissenschaftsbetrieb weiter eine Rolle. Eine GID-Redakteurin sprach mit der AG über ihren Aktivismus, über Rassismus und Genetik, und darüber, wie man in Deutschland Rassismus kritisieren kann, wenn der Begriff „Rasse“ diskreditiert ist.

  • Genomische Diversität - mit oder ohne „Rasse“ ?

    Joan H. Fujimura Ramya Rajagopalan

    Seit einigen Jahren laufen die Screeningmaschinen heiß: Sie durchforsten die Genome großer Gruppen von StudienteilnehmerInnen nach so genannten genetischen Markern, die statistisch mit einer bestimmten Krankheit in Verbindung gebracht werden können. Eifrig wird auch untersucht, ob sich diese Zusammenhänge je nach Bevölkerungsgruppe unterschiedlich darstellen. Wie aber werden da welche „Populationen“ voneinander unterschieden? Die Sozialwissenschaft diskutiert, ob die Hypothese menschlicher Biodiversität als rassistisch zu werten ist, oder ob es Modelle gibt, um „Rasse“ als Kriterium zu vermeiden.

  • Abstammung und typologisches Denken

    Immer mehr Unternehmen in den USA werben insbesondere unter AfroamerikanerInnen mit DNA-Tests, um die Herkunft der Vorfahren zu ermitteln. Was sagen diese Tests eigentlich aus - und inwiefern vermitteln sie Vorstellungen „rassischer“ Zugehörigkeit? Eine kritische Auseinandersetzung mit den Methoden und Konzepten der Populationsgenetik ist für die Beantwortung dieser Fragen unabdingbar. Wir dokumentieren Auszüge aus einem Report zu Rassismus und Genetik des US-amerikanischen Center of Genetics und Society.

  • Schwarzkrank?

    Christane Hutson

    Wie greifen Vorstellungen von Krankheit und Rassimus ineinander? Was geschieht, wenn die Medizin eine Krankheit eng in den Zusammenhang mit „ethnischen Markern“ stellt? Welche Analyse ist aus der Perspektive derjenigen, die so angesprochen und im doppelten Sinne behandelt werden, zentral? Wir dokumentieren Auszüge aus einer sehr viel umfangreicheren Analyse.

  • Pro und Kontra „Migrationshintergrund“

    Thomas Brückmann

    In der deutschen Gesundheitsforschung ist „Migrationshintergrund“ die neue Variable zur differenzierenden Erhebung von Gesundheitsdaten. Ist diese Forschung sinnvoll oder birgt sie die Gefahr biologischer Zuschreibungen? Eine Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gibt darüber Aufschluss.

  • Das „mexikanische Genom“ - ein Paradox

    Carlos López-Beltran Francisco Vergara-Silva

    Seit einiger Zeit spukt die These eines einzigartigen nationalen Genoms durch die Medien Mexikos. Dies erscheint besonders absurd, beruht doch der mexikanische Nationalmythos auf der Geschichte der „Mestizaje“, also der „Vermischung“. Grund genug, Nachforschungen beim Kongress der Physischen Anthropologie und beim staatlichen Genomforschungsinstitut INMEGEN anzustellen.

  • EU-Saatgutgesetzgebung in der Überarbeitung

    Anne Schweigler

    Per Gesetz wird traditionelles bäuerliches Saatgut zur musealen Ausnahme definiert, industrielles Saatgut dagegen bekommt einen Marktanteil von 90 Prozent garantiert.

  • Klima-rettende Pflanzen

    Christof Potthof

    Alle reden vom Klima - wir auch. Gentechnisch veränderte Pflanzen sollen das Klima retten und uns vor den Konsequenzen des Klimawandels schützen. Allerdings können die Gentechniker nicht jedeN mit Ein-Problem-ein-Gen-Technologien überzeugen.

  • Schweinegrippe und andere Phobien

    Monika Feuerlein

    In Deutschland, so wollen uns jedenfalls Politik und Medien weismachen, grassiert die Schweine-Grippe-Panik. Bisher beruht sie vor allem auf Zahlendrehereien - und darauf, dass der Virus als etwas Fremdes, Abartiges inszeniert wird.

  • Mit dem Brustkrebs-Gen bis ins Labor

    Sonja Palfner

    Gerade selbstverständliche Dinge stellen sich bei näherer Betrachtung oft als schwer fassbar heraus. Anders formuliert: Je näher man diesen Dingen kommt, desto unschärfer werden ihre Konturen; sie zerstreuen sich. So stellt sich auch immer wieder die Frage: Was eigentlich ist ein Gen? Eine Untersuchungsskizze aus Anlass seines 100. Geburtstages.

  • Das Haus der Zukunft ist nicht für alle da

    Ulrike Baureithel

    Wissenschaftsförderung ist Wirtschaftsförderung, so der Slogan, der sich aus dem Koalitionsvertrag für die künftige Forschungspolitik der schwarz-gelben Regierung destillieren ließe. Ein Ausblick auf die kommende Legislaturperiode.

  • Eiweißnotstand in der EU?

    Annemarie Volling

    Die Agrarindustrie versucht, die Nulltoleranz der Europäischen Union gegenüber nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen zu kippen.

  • Agro-Gentechnik in den USA

    Christof Potthof

    Aufbruchstimmung in den USA - die Obama-Administration ist seit knapp einem Jahr im Amt. Bisher lässt sich noch kein eindeutiges Bild erkennen.