Rezension: Gekaufte Forschung
Mangelnden Fleiß kann ich dem Autor des Buches „Gekaufte Forschung“, dem Aalener Wirtschaftswissenschaftler Christian Kreiß, nicht vorwerfen. Es gibt eine Vielzahl von interessanten Beispielen, wie die Wirtschaft in illegitimer Weise auf die Wissenschaft Einfluss nimmt. Auch ist sein Buch klar und systematisch, und es liest sich weitestgehend wirklich gut. Nichtsdestotrotz will es mir nicht so richtig gefallen. Ich wäre froh wenn ich unserer geneigten LeserInnenschaft auf den Punkt genau sagen könnte, woran das liegt - ich kann es nicht. Vielleicht daran, dass das Buch selbst nicht auf den Punkt kommt? Irgendwie ist es mir letztendlich nicht politisch genug. Die Empfehlungen, mit denen Kreiß Abhilfe von der permanenten Einflussnahme der Unternehmen schaffen will, kommen mir vor, als hätte ich sie alle schon mal gehört. Es bleibt offen, warum Maßnahmen in der Vergangenheit nicht gegriffen haben. Und: warum kam es zu der Öffnung der Wissenschaft für Geld und Einfluss aus der Wirtschaft - oder war es vielleicht schon immer so? Oder ist es in den letzten Jahren nur viel sichtbarer geworden? Nichtsdestotrotz, wenn der Leser oder Leserin neu in dieses Thema einsteigt, kann das Buch von Kreiß eine gute Hilfe sein.
Christof Potthof
➤ Christian Kreiß: Gekaufte Forschung - Wissenschaft im Dienst der Konzerne. Europa-Verlag (2015), 240 Seiten, 18,99 Euro, ISBN 978-3-944305-72-1.