Editorial
Liebe Leser*innen,
„Money makes the world go round“ – kaum eine Zeile hat sich so tief in das kollektive Gedächtnis eingeschrieben wie dieser Befund aus dem Film „Cabaret“. Geld als unsichtbare Triebkraft, als Versprechen von Möglichkeiten, als Maßstab von Wert. Doch was passiert, wenn dieses Prinzip nicht nur die Welt im Allgemeinen bewegt, sondern zunehmend auch die Entstehung von Leben strukturiert?
Mit unserem Titel verschieben wir die bekannte Formel leicht und richten den Scheinwerfer auf Reproduktionstechnologien: Sie schaffen neue Möglichkeiten für die menschliche Fortpflanzung. Doch nicht nur das. Rund um vorgeburtliche Tests, künstliche Befruchtung, Eizelltransfers und Leihschwangerschaften ist längst ein globalisierter Markt aus Hoffnungen, Dienstleistungen und Ungleichheiten entstanden, in dem Körper einmal mehr zur Ressource werden.
Wie im Lied schwingt auch hier eine Ambivalenz mit: Was den einen zur Erfüllung des Kinderwunsches verhilft und für andere weitreichende Konsequenzen hat, ist für Dritte zu einem riesigen Geschäft geworden. Fertilitätskliniken und Vermittlungsagenturen sind die treibenden Akteur*innen im Markt hinter den Reproduktionstechnologien. Wie funktioniert dieser Markt? Wessen Körper werden dabei eingesetzt – zu welchem Preis? Und wer profitiert davon? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, hat GeN-Referent Jonte Lindemann Beiträge von und mit ausgewiesenen Expert*innen auf diesem Feld zusammengetragen. Denn wenn Geld tatsächlich „den Bauch rund macht“, dann ist es geboten, kritisch und fundiert hinzusehen.
Kritisch begleiten wir auch weiterhin die EU-Deregulierung neuer Gentechniken, wie Sie im Bericht von Judith Düesberg auf Seite 18 lesen können. Und die Betreuung der Themen rund um Gentechnik am Menschen und genetischen Datenschutz haben wir in die Hände von Dr. Kosmas Hench gelegt, den ich Ihnen hiermit vorstellen möchte. Kosmas war zuvor als Evolutionsbiologe und Bioinformatiker in der Wissenschaft tätig. Zur vorliegenden GID-Ausgabe hat er gleich eine Rezension auf Seite 20 beigesteuert. Er tritt in die großen Fußstapfen von Dr. Isabelle Bartram, bei der wir uns für viele Jahre der tollen Zusammenarbeit bedanken möchten und die uns hoffentlich als Autorin erhalten bleibt.
Mit herzlichen Grüßen
Laura Theuer (Redaktionsleitung)
Laura Theuer ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising beim Gen-ethischen Netzwerk e. V. Sie leitet die Redaktion des GID MAGAZINs.