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Berichte, Empfehlungen & Termine

Gentechnik braucht mehr Aufmerksamkeit

Der späte Winter ist die Zeit der Gartenplanung und der Saatgutbörsen. Dieses Jahr sprach die Gentechnik-Expertin Judith Düesberg vom GeN auf zwei Veranstaltung: einmal beim gut besuchten Saatgutfestival München im Ökologischen Bildungszentrum und zum anderen bei der Saatgutbörse im brandenburgischen Oderbruch im schönen Theater am Rand. Thema beider Vorträge war die drohende Deregulierung der neuen Gentechniken in der EU. Trotz der schweren Kost kamen jeweils 20 bis 30 Interessierte zu den Veranstaltungen und debattierten im Anschluss lebhaft. Die wichtigste Botschaft lautete: Werdet aktiv, bringt das Thema in eure Initiativen und Vereine ein und lasst uns gemeinsam laut werden. Denn bisher wissen noch zu wenig Menschen über das Bescheid, was da auf uns zukommt. Lasst uns das gemeinsam ändern! (jd)

Endspurt beim Monitoring-Antrag: Jede Stimme zählt!

Seit Monaten arbeitet das Bündnis „NoNIPT“ mit der Kampagne „Monitoring jetzt!“ darauf hin, dass der Bundestag sich für eine wissenschaftliche Untersuchung der Folgen der Kassenfinanzierung des Bluttests auf Trisomien ausspricht. Es wurden Unterstützer*innen geworben, Ansprachetrainings durchgeführt und unzählige Hintergrundgespräche geführt. Zudem wurden Pressemails geschrieben und Social- Media-Posts abgesetzt. Unsere Verbündeten haben inzwischen in ihren Wahlkreisen über 100 Abgeordnete kontaktiert. Und das zeigt Wirkung: Bedenken können aufgegriffen und geklärt werden. Aber: Nicht alle Abgeordneten sind bereit für ein Treffen oder ein Telefonat. Wir werden vertröstet oder die Kommunikation stagniert. Außerdem hat sich gezeigt, dass noch immer nicht alle Bundestagsabgeordneten den Antrag kennen. Dabei fand die erste Lesung bereits am 20. März statt. Fürsprecher*innen wie Dagmar Schmidt (SPD) und Mareike Hermeier (Die Linke) griffen unsere Argumente auf. Leider gab es neben antifeministischen Tiraden der AfD aber auch Gegenreden aus demokratischen Parteien, etwa von Carmen Wegge (SPD) und Dr. Paula Piechotta (Bündnis 90/Die Grüne). Sie offenbarten, dass es keine sinnvolle Argumentation gegen ein Monitoring gibt. Vielmehr brachten sie Strohmannargumente ein und vermischten Sachverhalte fälschlicherweise miteinander. So ging es schnell um körperliche Selbstbestimmung, das Recht auf Schwangerschaftsabbruch und die Verfügbarkeit des Nicht-invasiven Pränataltests (NIPT), obwohl es im Antrag um all das gar nicht geht. Dieser umfasst eine wissenschaftliche Untersuchung der Kassenfinanzierung des NIPT und ihrer Folgen. So soll beispielsweise die Qualität von Beratung überprüft werden oder die Frage geklärt werden, ob die Entscheidung für einen NIPT aus sozialem Druck entsteht. Es geht, kurzum, um eine bessere Informationsgrundlage – weil sich Politik an wissenschaftlichen Fakten orientieren und messen lassen sollte.

Eine positive Abstimmung ist uns leider alles andere als sicher – und die Entscheidung soll schon im Juni, noch vor der Sommerpause fallen. Jetzt braucht es dringend Druck aus der Zivilgesellschaft: Kontaktiert eure Wahlkreisabgeordneten, nutzt eure Pressekontakte, aktiviert eure Freund*innen und Bekannten. Die Zeit drängt – der Antrag ist unsere Chance, behindertenfeindlichem Selektionsdruck mit Fakten entgegenzutreten. Nutzen wir sie! (jl)

www.nonipt.de/news/unsere-kampagne-monitoring-jet…


Wissen schützt vor Zugriff: Aufklärungskampagne gestartet

DNA-Analysen gehören zum Standard-Repertoire polizeilicher Ermittlungsarbeit. In Gerichtsverfahren dienen sie häufig als zentrale Beweise. Angesichts verschärfter staatlicher Sicherheitspolitik, die auf Überwachung und den Einsatz technologischer Mittel setzt, ist vielen Menschen die Tragweite einer Erhebung und Speicherung von DNA-Daten nicht bewusst. Aus diesem Grund haben das Gen-ethische Netzwerk e. V. (GeN) und die Solidaritätsorganisation Rote Hilfe e. V. im März die Online-Kampagne „Finger weg von meiner DNA – Wissen schützt vor Zugriff“ gestartet.

Was passiert bei einer DNA-Analyse? Wann darf die Polizei DNA entnehmen? Was kann man tun, wenn die Daten bereits gespeichert sind? Antworten auf diese Fragen geben wir mit unserer Kampagnen-Webseite und in den sozialen Medien. Dort informieren wir über die technologischen Hintergründe sowie die rechtlichen Regelungen von DNA-Analysen. Warum das wichtig ist, erklärt GeN-Referent Dr. Kosmas Hench: „DNA gilt als ‚sichere‘ Spur und schon kleinste Partikel können Jahrzehnte später gegen Personen verwendet werden. DNA-Analysen werden als Wahrheitsmaschinen angesehen. Doch sie werden häufig überbewertet, sie sind fehleranfällig und manipulierbar. Wer sich vor falschen Verdächtigungen und Willkür schützen möchte, sollte vorsichtig mit den eigenen DNA-Daten umgehen.“ Das gilt insbesondere für Personen, die von Polizeigewalt betroffen sind – etwa rassistisch diskriminierte Menschen oder Engagierte in sozialen Bewegungen.

Was die meisten Bürger*innen nicht wissen: Die Polizei darf neben der Identitätsfeststellung auch Verwandtschaftsbeziehungen und das chromosomale Geschlecht aus der DNA-Probe ableiten. Bestimmte chromosomale Abweichungen wie etwa Trisomien oder Intergeschlechtlichkeit werden damit automatisch mit erhoben. Seit einer Strafrechtsreform 2019 darf die Polizei auf Grundlage unbekannter DNA-Spuren auch Wahrscheinlichkeitsaussagen über Haar-, Haut- und Augenfarbe und das ungefähre Alter der gesuchten Person machen. Die Legalisierung der Bestimmung einer kontinentalen Abstammung, der sogenannten biogeografischen Herkunft, wird immer wieder von Sicherheitspolitiker*innen gefordert. Aufgrund der großen Gefahr für ohnehin schon rassistisch diskriminierte Minderheiten, die durch diese Analysen unter Pauschalverdacht geraten können, sind sie bisher verboten. Das GeN setzt sich dafür ein, dass das so bleibt.

Die aktuelle Aufklärungskampagne stärkt einen selbstbestimmten Umgang mit den intimsten Daten und zivilgesellschaftliches Engagement. Ermöglicht wird sie durch die Wau-Holland-Stiftung und Spenden von engagierten Einzelpersonen. Wir hoffen, dass die Informationen weite Kreise ziehen. Die Posts auf Instagram wurden bisher bis zu 11.000 Mal aufgerufen. (lt)

www.fingerwegvonmeinerdna.de


Empfehlungen

Neue Fakten zu Agrarkonzernen

Der „Konzernatlas 2026“ eröffnet einen Blick hinter die Fassaden unseres modernen Ernährungssystems. Dabei zeigt die Publikation die oft verborgenen Verflechtungen zwischen Marktmacht, Preisbildung, Umweltbelastungen, Gesundheit und Klimawandel auf.

BUND/Heinrich-Böll-Stiftung/Dachverband kritische Aktionärinnen und Aktionäre (2026): Konzernatlas 2026: Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie. Online: www.kurzlinks.de/gid277_da.

Know-how zu Gentechnik und KI

Wie verändern Genschere und künstliche Intelligenz unser Leben? Das erklärt der Genetiker Röbbe Wünschiers im Sammelband „Gentechnik im Wandel“ anschaulich für ein breites Publikum und regt damit zu einem informierten Dialog über die Risiken und Zukunft der Gentechnik an. 

Wünschiers, R. (2026): Gentechnik im Wandel: Wie CRISPR und KI unser Leben verändern. Springer, 333 Seiten, 25,- Euro, ISBN: 978-3-66271-409-6.

Sterilisationen behinderter Menschen

Eine neue Doku beleuchtet die große Diskrepanz zwischen der UN-Behindertenrechtskonvention sowie der Gesetzgebung und medizinischen Praxis in Deutschland und Österreich. Dabei kommen behinderte Frauen selbst zu Wort und berichten u.a. von unerfüllten Kinderwünschen.  

Andererseits (2026): „Hauptsache, du kriegst kein Kind“, Dokumentation, 
40 Minuten, teils in Einfacher Sprache, 2-Sinne Prinzip, ÖGS verfügbar, online: www.andererseits.org/sterilisation.

 

Termine

10. Juni – Leipzig

Im Rahmen der Kampagne „Finger weg von meiner DNA!“ ist unser neuer Kollege und Referent für Medizin Dr. Kosmas Hench bei der Roten Hilfe Leipzig zu Gast, um mit Betroffenen und Interessierten über den polizeilichen Zugriff auf DNA-Daten zu sprechen: Was tun, wenn die Polizei eine Speichelprobe verlangt? Und welche Handlungsmöglichkeiten gibt es, wenn die eigenen Daten schon gespeichert sind?

www.gen-ethisches-netzwerk.de

 

23. Juni – Berlin

Zum vierten Mal findet der bundesweite Theaterwettbewerb „andersartig gedenken on stage“ zu Biografien von Opfern der NS-„Euthanasie“-Verbrechen statt, um deren Namen und Geschichten vor dem Vergessen zu bewahren. Im Berliner Theater Pfefferberg wird im Anschluss an die Preisverleihung das in der Kategorie „Schultheater“ ausgezeichnete Stück „Stolperstühle“ des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums Gießen aufgeführt.

www.andersartig-gedenken.de

 

10.–12. Juli – Freiburg

Das AgriKultur Festival ist ein Treffpunkt für alle, die aktiv die Ernährungswende vorantreiben wollen. Hier trifft Musik auf gutes bio-regionales Essen, garniert mit politischen Diskussionen und Beiträgen. Wollt ihr selbst was beitragen? Gastrostände und Bands können sich noch bewerben. Das Festival findet im Eschholzpark und der angrenzenden Edith-Stein Schule statt. Der Eintritt ist kostenlos.

www.agrikulturfestival.de

Erschienen in
GID-Ausgabe
277
vom Mai 2026
Seite 4 - 5

Die GID-Redaktion

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