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Weitere Bücher
Wege in ein anderes Morgen
Die globale Landwirtschaft steht seit vielen Jahren in der Kritik: Artensterben, Klimawandel, Tierleid, Ausbeutung von Landarbeiter*innen und Machtkonzentration sind nur einige der problematischen Aspekte des Ernährungssektors. In diesem wissenschaftlichen Sammelband haben Forschende und Aktive unterschiedlichster Disziplinen von Geographie bis Kunst Beiträge eingebracht. Die zentrale Frage: Welche alternativen Wege gibt es, um eine nachhaltige Zukunft für alle zu ermöglichen?
Ermann, U. et al. (2026): Nahrungswelten transformieren. In: Agro-Food Studies. Nomos. 249 Seiten, Print: 64,– Euro, ISBN: 978-3-7560-3350-8, digital (Open Access), ISBN: 978-3-7489-6313-4.
Böden regenerieren
In seinem Buch thematisiert der Geologe David R. Montgomery die Degradierung von Böden als drängendes, aber lösbares gesellschaftliches Problem. Im Kontrast zu konventioneller Landwirtschaft skizziert er praktische regenerative Ansätze, die aktiv zur Bodenwiederherstellung beitragen, und geht dabei auf bekannte Techniken wie den Einsatz von Deckfrüchten, Fruchtwechsel und Kompost ein. Außerdem entwickelt er zehn Politikempfehlungen, um einen zukunftssicheren Umgang mit Böden und eine nachhaltige Landwirtschaft zu ermöglichen.
Montgomery, D. (2026): ReGen: A New Future for Farming, Food, and Health. WW Norton & Co, 240 Seiten, Print: 29,50 Euro, ISBN: 978-1-324-11774-2.
Like a prayer? Unerfüllter Kinderwunsch und Religion
Die Religionswissenschaftlerin Linda Bosshart ist anhand einer Mischung aus problemzentrierten und narrativen Interviews mit 27 christlich-religiösen und nicht-religiösen heterosexuellen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch sowie Personen aus dem alternativmedizinischen Feld der Frage nachgegangen, wann und aus welchen Gründen Wunscheltern religiöse bzw. spirituelle Deutungen für ihre Situation aufrufen. Ergänzend führte sie teilnehmende Beobachtungen durch. In ihrer Analyse berücksichtigt sie den gesellschaftlichen Erwartungsdruck in Bezug auf Familiengründungen, soziale Normen und Genderaspekte.
Bosshart, L. (2026): Sinngebungen bei unerfülltem Kinderwunsch: Aushandlungen existenzieller und religiöser Deutungen. transcript, 366 Seiten, Print: 59,– Euro, ISBN: 978-3-8376-8133-8, digital (Open Access), ISBN: 978-3-8394-7709-0.
Kein Einsehen bei eugenischer Gewalt
Die Historikerin Ulrika Mientus beleuchtet in ihrer Dissertation, wie Betroffene von Zwangssterilisation nach dem NS-Regime um Anerkennung und Entschädigung kämpften. Die Studie untersucht dabei die Handlungs- und Deutungsmacht der Opferverbände innerhalb der westdeutschen Nachkriegszeit. Mientus zeigt auf, dass Betroffenen die Anerkennung der Verletzung ihrer Menschenrechte insbesondere durch ihre Markierung als „Erbkranke“ lange verwehrt wurde.
Mientus, U. (2026): Missachtete Menschenrechte: Opferverbände und die Legitimation eugenischer Gewalt in der frühen Bundesrepublik. Campus Verlag, 515 Seiten, Print: 45 Euro, ISBN: 978-3-593-52208-1.
Medien & Materialien
Zunehmende Monopolisierung beim Saatgut
Eine neue Recherche des Vereins „Keine Patente auf Saatgut!“ zeigt einen alarmierenden Trend zur Monopolisierung von natürlich vorkommenden Genvarianten auf. Drei Viertel aller Patentanträge betreffen natürliche Genvarianten. Dabei setzen sich Anmelder*innen und Patenterteiler*innen über die Absicht der EU hinweg, dass konventionell gezüchtete und natürlich vorkommende Pflanzen nicht patentiert werden dürfen.
NPOS (2026): Zunehmende Monopolisierung konventioneller Züchtung durch Patente – internationale Patentanmeldungen auf natürliche Genvarianten zeigen alarmierenden Trend. Online: www.kurzlinks.de/gid278_dc.
Wie Konzerne die Landwirtschaft prägten
In der ersten von drei Folgen vom „Battle for African Agriculture Podcast“ spricht Million Belay mit dem legendären Aktivisten und Mitbegründer der ETC Group Pat Mooney. Das Gespräch beleuchtet die entscheidenden Wendepunkte, die die Ernährungssysteme geprägt haben – von globalen politischen Kämpfen bis hin zum Aufstieg der Saatgutmonopole – und die Frage: Wer kontrolliert unsere Lebensmittel wirklich?
Battle for African Agriculture Podcast (29.04.26): How the world lost control of seeds with Pat Mooney. 60 Minuten, Englisch, online: www.kurzlinks.de/gid278_dd.
Strukturell ungesund
Obwohl eine gute Gesundheitsversorgung zu den Menschenrechten zählt, existieren global starke Ungleichheiten. Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit thematisiert der Podcast „Gesundheit: global und gerecht (?)“ der BUKO Pharma-Kampagne. Dabei kommen Forschende, Patient*innen und Aktivist*innen zu Wort und besprechen Infektionskrank-
heiten, Mutter-Kind-Gesundheit und nicht übertragbare Erkrankungen. Hauptfokus ist die Versorgung in Ländern des globalen Südens.
www.bukopharma.de/neuer-podcast-zoonosen-im-fokus
Für eine dekoloniale Gesundheitspraxis
Koloniale Kontinuitäten schreiben sich in Medizin und Gesundheitsversorgung bis heute fort und äußern sich vor allem als stille strukturelle Gewalt. Decolonize Berlin hat diese in einem Gutachten herausgearbeitet. Sie entwickeln Lösungsansätze für Forschung und Lehre, Versorgung, Politik und Community-basierte Infrastruktur. Diese bieten sie u.a. als Handlungsempfehlungen für die Berliner Gesundheitspolitik an, um vor Ort eine intersektionale und ethisch verantwortungsvolle dekoloniale Praxis zu unterstützen.
Aikins, M. et al. (2025): Koloniale Kontinuitäten in der Berliner Medizin und Gesundheitsversorgung: Machtkritische Ansätze zu Dekolonisierung und Antirassismus. Online: https://decolonize-berlin.de/de/medizin-studie
Nachgehört: Reproductive Futures Festival
Im November 2025 fand das vom Gunda Werner Institut organisierte Festival „Reproductive Futures: Feministische Visionen für gerechte Sorge“ statt und brachte Wissenschaft, Kunst, Aktivismus und Praxis zusammen, um zwei Tage lang Fragen zur Zukunft von Reproduktion, Familie und Sorgearbeit zu diskutieren. Die Keynote von Amrita Pande zu ihrem Report „Mapping Global Surrogacy“ sowie eine Paneldiskussion zu Leihschwangerschaft sind als Video verfügbar. Entstanden ist auch eine Audio-Reportage des Festivals mit O-Tönen von Expert*innen und Besucher*innen, Einspielern aus den Diskussionen und vielen anderen Eindrücken.
Gunda Werner Institut (2026): Reproductive Futures Festival: Feministische Visionen für gerechte Sorge. Audio-Reportage, Videomitschnitte und weitere Materialien, online: www.kurzlinks.de/gid278-ld.
GID-Redaktion