In Bewegung

Aktionswochen für gentechnikfreies Essen

„Keine Gentechnik auf unseren Äckern und Tellern“ – unter diesem Motto rief ein breites Bündnis von Organisationen aus der Land- und Lebensmittelwirtschaft sowie Umweltverbänden zum zweiten Mal zu den „Aktionswochen für gentechnikfreies Essen“ auf. Sie fanden vom 15. bis 27. September 2025 bundesweit statt – diesmal gemeinsam mit Österreich. Im Rahmen der Aktionswochen wurde an über 30 Orten in ganz Deutschland an Infotischen, auf Hoffesten, bei Podiumsdiskussionen, Picknicks oder Rundgängen über die politischen Entwicklungen zu neuen Gentechniken (NGT) informiert. Dabei konnten die Menschen mit Züchter*innen, Landwirt*innen und Aktivist*innen ins Gespräch kommen – online und live vor Ort. Auf den Höfen und in den Betrieben konnten sie Saatgutvielfalt entdecken, Züchtung verstehen und die gentechnikfreie Landwirtschaft kennenlernen. 

Anlass waren die laufenden EU-Trilogverhandlungen über das neue Gentechnik-Gesetz, welches den Umgang mit NGT auf europäischer Ebene neu regeln soll. Das Aktionsbündnis fordert unter anderem, dass weiterhin eine umfassende Risikoprüfung von Pflanzen aus NGT, verbindliche Koexistenz- und Haftungsregeln zum Schutz der gentechnikfreien Produktion sowie eine verpflichtende Kennzeichnung von NGT bis zum Endprodukt Teil der Regulierung sind. Bei den vielfältigen Veranstaltungen im September wurden diese Forderungen wieder einmal mit Leben gefüllt. Somit waren die Aktionswochen für gentechnikfreies Essen ein voller Erfolg und wichtiger Baustein der Mobilisierung für strenge Gentechnik-Gesetze. (Sinay Gandenberger/jd)

Kampagne für NIPT-Monitoring gestartet

Drei Jahre sind vergangen, seit der Nicht-invasive Pränataltest (NIPT) auf Trisomien zur Kassenleistung wurde. Bis zuletzt hatten Elterninitiativen und Behindertenrechtsaktivist*innen vor diesem Schritt gewarnt. Die Kostenübernahme sende das fatale Signal: Behinderte Menschen sind unerwünscht. Und: Schwangere würden den Test als Teil der Regelversorgung begreifen. Damals hieß es, ein Screening dürfe daraus nicht werden. Nun zeigen erste Abrechnungsdaten der BARMER, dass fast die Hälfte der dort versicherten Schwangeren 2024 einen NIPT durchführen ließ. Flächendeckende Daten zur Nutzung des NIPT, seinem Einfluss auf Schwangerschaftsentscheidungen und zu den gesellschaftlichen Folgen der Kassenzulassung fehlen. Gleichzeitig könnte der NIPT auf eine Vielzahl genetischer Abweichungen ausgeweitet werden. 

Die interfraktionelle Gruppe Pränataldiagnostik will im Bundestag einen erneuten Anlauf mit einem Antrag für ein Monitoring wagen. Die Abstimmung über einen solchen Antrag war bereits für letztes Jahr terminiert, jedoch dem vorzeitigen Ende der Ampelkoalition zum Opfer gefallen. Jetzt muss von außerhalb des Bundestags Druck aufgebaut werden. Das Bündnis #NoNIPT hat daher eine Kampagne gestartet, damit möglichst viele Menschen sich direkt an ihre Wahlkreisabgeordneten wenden und für die Unterstützung des Antrags werben. Das Bündnis unterstützt dabei mit Know-how – von Hintergrundwissen bis zum Ansprachetraining. Die Zeit drängt, so Kirsten Heining, Mitorganisatorin der Kampagne: „Je länger der Test von den Kassen finanziert wird, umso mehr normalisiert sich seine Inanspruchnahme im Rahmen der Schwangerenvorsorge und im öffentlichen Diskurs. Es muss verhindert werden, dass so aus individuellen Selektionsentscheidungen ein gesellschaftlicher Selektionskonsens wird!“

Das Gläserne Baby – ein bedeutendes Thema für den Datenschutz

Die Konferenz „Datenspuren“, ein jährliches Treffen des Chaos Computer Clubs Dresden zu Technik und Gesellschaft, ist ein passender Ort, um die datenschutzinteressierte Öffentlichkeit für das Thema genetischen Datenschutz zu sensibilisieren. Daher hielt GeN-Mitarbeiterin Dr. Isabelle Bartram dort am 20. September 2025 einen Vortrag über ihre Recherchen zu Plänen für ein genomisches Neugeborenen-Screening in Deutschland. Dem technologischen Fortschritt folgend soll das etablierte Screening nach der Geburt durch eine Analyse des gesamten Genoms ersetzt werden. Diskutiert wird auch darüber, die so generierten Daten zu speichern und der Forschung zur Verfügung zu stellen. Dies würde jedoch indirekt eine nationale DNA-Datenbank schaffen. Der Vortrag vor rund 50 Menschen beleuchtete die diversen Risiken, welche mit einer systematischen Sammlung genetischer Bevölkerungsdaten verbunden wären, und gab einen Ausblick auf die Missbrauchsmöglichkeiten im Falle eines voranschreitenden politischen Rechtsrucks in Deutschland. Die Veranstaltung wurde wie alle Datenspuren-Beiträge live gestreamt und ist jetzt online nachschaubar.

Disrupt.Food System

Im Oktober fanden in Bremen und Umgebung erstmals die Aktionstage „Disrupt.Food System“ statt. Damit setzte sich ein neues Bündnis für globale Ernährungsgerechtigkeit ein und machte auf ein Ernährungssystem aufmerksam, das die globalen Ökosysteme zerstört, Mensch und Tier ausbeutet und das Klima belastet. Das Bündnis setzt sich zusammen aus aktivistischen Gruppen sowie Umwelt- und Landwirtschaftsvereinen. Im Rahmen der Aktionstage gab es eine Radtour, zwei Blockadeaktionen, eine Demonstration mit rund 500 Menschen und eine Saatgutbörse. Blockiert wurden eine Schweinefleischfabrik in Delmenhorst und der Tierfuttermittelimporteur Müller in Bremen von je rund 100 Personen. Viele Medien berichteten über die Aktionstage und die Organisator*innen sind sehr zufrieden. Es bleibt zu hoffen, dass der Widerstand wächst und weitere Aktionen folgen! 

Erinnerungsstücke zum 40. GeN-Jubiläum gesucht

Nächstes Jahr ist es so weit: Unser Verein wird 40 Jahre alt. 40 Jahre kritische Aufklärungsarbeit zu Gen- und Fortpflanzungstechnologien, 40 Jahre netzwerken, intervenieren, protestieren – und viele von Ihnen sind schon von Anfang an dabei! Andere sind im Laufe der Jahre dazugekommen, waren bei Feldbesetzungen, Demonstrationen und anderen Aktionen dabei, haben sich ehrenamtlich im GeN engagiert, in der Geschäftsstelle gearbeitet oder ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht, als Partner*innen in anderen Organisationen und Initiativen gemeinsam mit uns Projekte durchgeführt oder auf andere Arten zusammengewirkt. Und dabei Erfolge miterlebt, zusammen Niederlagen verdaut, lustige und ernste Momente geteilt. All diese Erinnerungen sind Teil der Vereinsgeschichte des GeN – und letztlich auch ein Stück Bewegungsgeschichte. Für unser kommendes Jubiläumsjahr möchten wir diese Erinnerungen sammeln – und dafür sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen: Senden Sie uns Ihre Fotos und Anekdoten, Postkarten und Aktionsflyer aus den letzten 40 Jahren! 

Per Post an unsere Büroadresse oder per E-Mail an gen@gen-ethisches-netzwerk.de. Herzlichen Dank!

Erschienen in
GID-Ausgabe
275
vom November 2025
Seite 4 - 5

GID-Redaktion

zur Artikelübersicht