Aus Korn wird Kapital – wirtschaftliche und politische Interessen rund um Gentechnik

Schwerpunkt

Gentechnologien entstehen nicht im luftleeren Raum. Ihre Entwicklung und ihre Anwendung in der Landwirtschaft sind geprägt von Wirtschaftsinteressen und globalen Machtverhältnissen. Wie groß ist die Macht der Agrarkonzerne über das Saatgut? Drängt nun das Silicon Valley dazwischen? Welche Folgen hat der Anbau von Gentechnik-Pflanzen für Kleinbäuer*innen in Ländern des Globalen Südens? Und welche alternativen Ansätze gibt es?

Impressum

GID MAGAZIN – Gen-ethischer Informationsdienst Nr. 275, 
November 2025 vom 25.11.2025 / 41. Jahrgang, ISSN 2941-1084.
Redaktion: Laura Theuer (lt) (ViSdP), Judith Düesberg (jd), Isabelle Bartram (ib), Sasha Kirsten Achtelik (ska), Jonte Lindemann (jl)
Kooperation mit biorespect: Gabriele Pichlhofer (gp), Tino Plümecke (tp)
Gestaltung: Agnes Raguse
Titelbild: Agnes Raguse / Fotomanipulation mit Freepik Pikaso / Stockmaterial: Freepik

Artikel in dieser Ausgabe

  • Aus Korn wird Kapital

    Ein einzelnes, goldfarben glänzendes Objekt in Form eines Körnerkerns liegt in einer dunkelgrünen, samtigen Schmuckschatulle aus Holz. Das Objekt erinnert an ein poliertes goldenes Weizenkorn und ist mittig in der Mulde des Etuis platziert
    Von Judith Düesberg

    Gentechnologien entstehen nicht im luftleeren Raum. Ihre Entwicklung und Anwendung sind geprägt von globalen Machtverhältnissen, hegemonialem Wissen und wirtschaftlichen Systemen. In diesem Schwerpunkt betrachten wir einige dieser Aspekte rund um die Saatgutentwicklung und Gentechnik. 

  • 29. April 2026

    Die Macht der Titanen

    Eine einzelne Hand in einem dunklen Anzugsärmel streckt sich nach unten und schwebt über einer dicht bewachsenen Ackerfläche. Die Pflanzen stehen im warmen, tiefen Sonnenlicht, im Hintergrund verschwimmen Feld und Baumreihe im Dunst des frühen Morgens oder späten Nachmittags.
    Von Prof. Jennifer Clapp

    Seit den jüngsten Megafusionen in der Agrarindustrie haben sich die Märkte für Saatgut und andere landwirtschaftliche Betriebsmittel weiter konzentriert. Die Ökonomin Jennifer Clapp zeigt, wie sich das auf die Lebensmittelpreise weltweit auswirkt und welche Rolle die Gentechnik dabei spielt.

  • 29. April 2026

    Food-Hype im Silicon Valley

    Porträt einer älteren Frau mit kurzen, welligen grauen Haaren. Sie lächelt leicht und blickt direkt in die Kamera. Ihr Gesicht ist warm ausgeleuchtet, im Hintergrund ist eine graue Betonwand zu sehen.
    Von Prof. Julie Guthman

    Im Silicon Valley vereint sich die Suche nach dem großen Geld mit dem Willen, die Welt zu verbessern. So nehmen sich die Start-ups nun das Feld der Ernährung und Landwirtschaft vor. Die Soziologin Julie Guthman beobachtet diese Entwicklung seit Längerem. Im Interview spricht sie über Motivation, Marktmechanismen und wie es besser gehen könnte. 

  • Gentechnik gegen Armut?

    Eine Person kniet auf einem Acker und greift an eine junge Maispflanze. Zwischen den grünen Blättern stecken mehrere Geldscheine, sodass es wirkt, als würde das Geld an der Pflanze wachsen. Die Umgebung zeigt einen bäuerlichen Kontext mit Erde, Unkraut und weiteren Pflanzen im Hintergrund.
    Von Judith Düesberg

    Agrarkonzerne, Forschungsinstitute und Stiftungen profitieren von Gentechnik. Kleinbäuer*innen haben dabei das Nachsehen, wie das Beispiel Mais zeigt. Daran werden auch gelockerte Regulierungen der neuen Gentechnik nichts ändern. Was es braucht, sind Anpassungen im globalen Wissens- und Finanzierungssystem.

  • 29. April 2026

    Regulierung als Chance

    Eine behandschuhte Hand hält eine runde Petrischale vor einem hellen Hintergrund. Auf der leicht getrübten Oberfläche der Schale ist ein kleiner Barcode-Aufkleber angebracht.
    Von Judith Düesberg

    Die Regulierung von gentechnisch veränderten Pflanzen hat einen Einfluss auf ihre Wirtschaftlichkeit. Für Unternehmen und Forschung aus der Saatgutentwicklung stellt sie eine Hürde dar. Sozialwissenschaftler*innen erwidern: Regulierung bringt durchaus Vorteile mit für Gesellschaft, Umwelt – und die Wirtschaft selbst.

  • Die Ökozuchtplattform

    Drohnenaufnahme Versuchsfläche Lucia Holmer
    Von Lucia Huber-Holmer Markus Herz

    Um die ökologische Saatgutentwicklung zu fördern, schlägt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft neue Wege ein. Dazu stellt sie Anbauflächen und wissenschaftliche Begleitung zur Verfügung und setzt auf die Beteiligung aller Akteur*innen entlang der Wertschöpfungskette.

  • Kein Fair Play

    Eine Leichtathletin landet nach einem Weitsprung im Sand. Sie sitzt leicht rückwärtsgelehnt im Sandbett, der helle Sand spritzt um sie herum. Sie trägt einen sportlichen Einteiler in Gelb- und Rottönen mit der Aufschrift „Germany“. Im Hintergrund ist die rote Laufbahn der Sprunganlage zu sehen.
    Von Isabelle Bartram

    Im Vorfeld der diesjährigen Leichtathletik-WM wurde bekannt, dass sich weibliche Athletinnen einem genetischen Geschlechtstest unterziehen müssen, um am Wettkampf teilzunehmen. Dieses Verfahren ist nicht nur diskriminierend, es fußt auch auf wissenschaftlich fragwürdigen Grundlagen.

  • 29. April 2026

    Gesetzliche Unstimmigkeiten

    Von Sasha Kirsten Achtelik

    Obwohl die sogenannte embryopathische Indikation Mitte der 1990er Jahre entfiel, finden Abbrüche nach pränataler Diagnostik weiterhin statt – nun bloß verdeckter. Mit dieser Problemverschiebung beschäftigt sich der zweite Artikel einer Reihe zum Thema Fetozid nach auffälligen pränatalen Befunden.

  • Die Illusion von Effizienz

    Ein historisches Schwarz-Weiß-Foto zeigt eine große, komplexe Bergbaumaschine in einem Steinbruch oder Tagebau. Mehrere Arbeiter in Arbeitskleidung und Mützen stehen im Vorder- und Hintergrund verteilt, einige nahe kleiner Loren auf Schienen. Die Maschine besteht aus hohen Stahlträgern, Seilen und einem großen Schaufel- oder Fördermechanismus, der sich entlang einer steilen Felswand erstreckt. Die Szene vermittelt frühe industrielle Schwerarbeit.
    Von Dr. Andrew Flachs

    Lässt sich der Einsatz von Pestiziden durch den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen reduzieren? Nein, längerfristige Analysen zeigen das Gegenteil. Um das zu erklären, ziehen US-amerikanische Wissenschaftler*innen das Jevons-Paradoxon heran und werfen einen kritischen Blick auf das System Landwirtschaft.

  • Rezension: Landwirtschaft in der Heißzeit

    Das Cover eines Buches von Matthias Martin Becker mit dem Titel „Bodenlos – Wer wird die Welt ernähren?“. Im oberen Teil ist eine stilisierte, rissige Erdoberfläche in Beige-, Gelb- und Blautönen dargestellt, die an ausgetrockneten Boden erinnert. Darunter stehen der Titel und Untertitel „Umbrüche in Agrobusiness und Tierindustrie“. Unten rechts befindet sich das Logo des Verlags PapyRossa.
    Von Judith Düesberg

    Die Landwirtschaft ist eine der Hauptverursacher*innen schädlicher Klimagase und sieht sich gleichzeitig großen Herausforderungen bei der Anpassung an die Klimaerwärmung gegenüber. 

  • Rezension: Reproduktive Gesundheitsversorgung unter der Lupe

    Das Buchcover zeigt einen blau-grauen Hintergrund mit einem ornamentalen, sich wiederholenden Muster, das an historische Tapeten erinnert. In der Mitte steht auf weißem Grund der Titel „Narratives of Consent and Reproductive Subjects – Tales of Invisibility“. Darunter folgen die Herausgeberinnen: Samantha Halliday, Rebecca Brione und Jacqueline Nicholls. Unten rechts befindet sich das Routledge-Verlagslogo.
    Von Jonte Lindemann

    Der Sammelband widmet sich der Schnittstelle zwischen Recht, Politik und Praxis im Kontext der reproduktiven Gesundheitsversorgung – von Vorsorgeuntersuchungen über Schwangerschaftsbegleitung bis hin zu Geburt und Nachversorgung. 

  • Rezension: Schicksalsgemeinschaft Fertilitätsbehandlung

    Cover von Hello Baby: Seitenblasenförmiges Baby vor lila Hintergrund
    Von Jonte Lindemann

    In ihrem Roman „Hello Baby“ lässt die südkoreanische Autorin Kim Eui-kyung sechs ganz unterschiedliche Frauen aufeinandertreffen – von der erfolgreichen Anwältin bis zur Hausfrau.