Rezension: Schicksalsgemeinschaft Fertilitätsbehandlung
In ihrem Roman „Hello Baby“ lässt die südkoreanische Autorin Kim Eui-kyung sechs ganz unterschiedliche Frauen aufeinandertreffen – von der erfolgreichen Anwältin bis zur Hausfrau.
Hello Baby
Kennengelernt haben sie sich in einer Fertilitätsklinik, ihre Gemeinsamkeit ist ein unerfüllter Kinderwunsch. Über einen Chat, Gruppentreffen und gemeinsame Klinikaufenthalte begleiten sie sich gegenseitig durch die Höhen und Tiefen der Kinderwunschbehandlung. Durch Rückblenden und Backstories der einzelnen Charaktere gewährt Eui-kyung Einblicke in deren Beweggründe und Sorgen. Dabei ist „Hello Baby“ nicht einfach noch ein weiterer Roman über Frauen mit Kinderwunsch, denn er macht vieles anders. Er hebt das Thema Kinderwunsch aus der heterosexuellen Paarbeziehung heraus (obwohl alle Figuren heterosexuell sind). Stattdessen finden die Frauen Unterstützung ineinander. In ihren Gesprächen sind das mangelnde Interesse der Ehemänner, deren Abwesenheit bei den Eizellentnahme-Terminen, das eklatante Unwissen der Gatten über die Prozeduren und Strapazen genauso Thema wie der Erwartungsdruck durch die Gesellschaft (und in besonderer Weise von den Schwiegereltern). Keine der Figuren ist dabei perfekt, das Buch beschreibt ihre Hin- und Hergerissenheit zwischen dem eigenen Anspruch an Solidarität und Gefühlen wie Neid, wenn die Behandlung einer anderen erfolgreich scheint. Die Darstellung macht sie nahbar, ohne dabei jemals rührselig zu werden. Und der Kinderwunsch wird nicht zum unhinterfragbaren Heiligtum erhoben – genau das macht diesen Roman lesenswert.
Eui-kyung, K. (2025): Hello Baby. Blumenbar, 223 Seiten, 22,- Euro, ISBN: 978-3-35105-128-0.
Jonte Lindemann ist Mitarbeiter*in des GeN und Redakteur*in des GiD.