Rezension: Landwirtschaft in der Heißzeit
Die Landwirtschaft ist eine der Hauptverursacher*innen schädlicher Klimagase und sieht sich gleichzeitig großen Herausforderungen bei der Anpassung an die Klimaerwärmung gegenüber.
Bodenlos – Wer wird die Welt ernähren? Umbrüche in Agrobuisness und Tierindustrie.
Wie können Auswege aus dieser Situation aussehen? Mit dieser Frage befasst sich der Wissenschaftsjournalist und Autor Matthias Martin Becker in seinem aktuellen Buch. Becker beginnt mit einer gut belegten Beschreibung des aktuellen Zustands der Welt und der Landwirtschaft. Mithilfe von Exkursen in die Geschichte sowie in die ökonomischen Theorien von Marx und anderen erläutert er die Besonderheiten des Agrarsystems. In diesem System spielen Innovationen eine wichtige Rolle. Sie reichen von Agroforst bis zu Biotechnologien. Becker konzentriert sich vor allem auf den Anbau in „geschlossenen Systemen“. Gegen Ende geht er skizzenhaft auf verschiedene Auswegszenarien ein, die er jedoch gleich wieder zerplatzen lässt. Denn: Sie alle erfordern einen gesellschaftlichen Wandel, der über die Nahrungsmittelproduktion hinausgeht. In „Bodenlos” werden die Komplexität der Agrarsysteme und die Widersprüche der ökologischen Transformation aufgezeigt. Dabei scheut Becker nicht, fleischlose Alternativen oder die kleinbäuerliche Landwirtschaft zu hinterfragen. Trotz der Fülle an angesprochenen Aspekten ist das Buch durch eine kleinteilige Aufteilung gut zu lesen und ein empfehlenswerter Einstieg, wenn man sich mit der politischen Ökonomie der Landwirtschaft auseinandersetzen möchte. Dies macht „Bodenlos“ für ein breites Publikum interessant und lehrreich.
Becker, M. M. (2025): Bodenlos – Wer wird die Welt ernähren? Umbrüche in Agrobuisness und Tierindustrie. PapyRossa, 295 Seiten,
19,90 Euro, ISBN: 978-3-89438-823-2.
Judith Düesberg ist Ökologin und Mitarbeiterin des GeN.