Rezension: Reproduktive Gesundheitsversorgung unter der Lupe

Der Sammelband widmet sich der Schnittstelle zwischen Recht, Politik und Praxis im Kontext der reproduktiven Gesundheitsversorgung – von Vorsorgeuntersuchungen über Schwangerschaftsbegleitung bis hin zu Geburt und Nachversorgung. 

Das Buchcover zeigt einen blau-grauen Hintergrund mit einem ornamentalen, sich wiederholenden Muster, das an historische Tapeten erinnert. In der Mitte steht auf weißem Grund der Titel „Narratives of Consent and Reproductive Subjects – Tales of Invisibility“. Darunter folgen die Herausgeberinnen: Samantha Halliday, Rebecca Brione und Jacqueline Nicholls. Unten rechts befindet sich das Routledge-Verlagslogo.

Narratives of Consent and Reproductive Subjects. Tales of Invisibility. Routledge

Dabei wird das Prinzip der informierten Einwilligung zentral gesetzt – und aufgezeigt, wie sehr die Praxis teils von diesem medizinethischen Grundanspruch abweicht und welche Rolle Machtverhältnisse bei der Begleitung durch Schwangerschaft und Geburt spielen. Die Autor*innen aus so verschiedenen Disziplinen wie Philosophie, Medizinethik, Recht oder Gesundheitswissenschaften beleuchten eine Reihe von Situationen, in denen Betroffene durch Politik und/oder Praxis in der Ausübung ihrer reproduktiven Rechte eingeschränkt werden. Die einzelnen Beiträge werfen Schlaglichter auf ganz unterschiedliche Aspekte, darunter etwa die (Un-)Möglichkeiten informierter Einwilligung in Settings mit Sprachbarrieren und gleichzeitiger Personal- und Zeitknappheit, die Erfahrungen von Leihschwangeren im Vereinigten Königreich, reproduktive Gewalt im Kontext von psychischer Erkrankung und Fremdbestimmung oder rassistische Diskriminierung während der Schwangerschaft und unter der Geburt. Damit kommen die Herausgeber*innen ihrem Ziel, unterbeleuchtete Perspektiven in der reproduktiven Gesundheitsversorgung hervorzuholen, tatsächlich sehr nahe. Allerdings bedingt der Fokus auf Schwangerschaft und Geburt auch, dass dem vorausgehende Einschränkungen der reproduktiven Rechte bestimmter Gruppen – wie etwa die Familiengründung von queeren Menschen oder übergriffige Einschränkungen der Sexualität von Menschen mit Lernschwierigkeiten – abermals unter den Tisch fallen.

Halliday, S./Brione, R./Nicholls, J. (Hg.) (2025): Narratives of Consent and Reproductive Subjects. Tales of Invisibility. Routledge, Englisch, 278 Seiten, eBook: 41,59 Euro, ISBN 978-1-00326-295-4, www.doi.org/10.4324/9781003262954.

Erschienen in
GID-Ausgabe
275
vom November 2025
Seite 32

Jonte Lindemann ist Mitarbeiter*in des GeN und Redakteur*in des GiD.

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