MATERIALIEN

Marktkonzentration im Agrarsektor

Die kanadische Action Group on Erosion, Technology and Concentration (ETC Group) und die internationale Organisation GRAIN haben sich in einem Bericht mit den globalen Top 10 der Agrarkonzerne beschäftigt. Die Autor*innen beleuchten den Stand der Unternehmenskonzentration in sechs für die Landwirtschaft entscheidenden Sektoren: kommerzielles Saatgut, Pestizide, synthetische Düngemittel, Landmaschinen, Tierpharmazeutika und Nutztiergenetik. 

ETC Group und GRAIN (06/2025): Top 10 agribusiness giants: corporate concentration in food & farming in 2025. 26 Seiten, Englisch, kostenloses PDF, online: www.grain.org/e/7284.


Vermeintlicher Naturschutz

In einem Bericht für die International Union for Conservation of Nature (IUCN), eine internationale Naturschutzorganisation, haben sich Autor*innen der britischen Initiative GeneWatch mit dem Thema genetischer Veränderung von Organismen beschäftigt, die für die Freisetzung in der Natur vorgesehen sind. Die meisten dieser Vorhaben werden von kommerziellen Interessen vorangetrieben, in einem Kontext, in dem die landwirtschaftliche Anwendung von Gentechnik aufgrund der Entwicklung resistenter Beikräuter und Schädlingen ins Stocken geraten ist.

GeneWatch UK (09/2025): Chimera: The Genetic Modification of Nature. 43 Seiten, Englisch, kostenloses PDF, online: www.kurzlinks.de/gid275-bp.


Umfangreiche Tagungsdokumentation

Das Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik und das Bündnis gegen die Kassenfinanzierung des Bluttests auf Trisomien* (#NoNIPT) haben eine umfangreiche Dokumentation ihrer letztjährigen Tagung mit dem Titel „Mit zweierlei Maß!? Wie ableistische Strukturen unseren Blick auf Behinderung prägen.“ veröffentlicht. Das PDF kann kostenfrei heruntergeladen werden und enthält neben den Vorträgen der Tagung jeweils auch eine Zusammenfassung dieser in einfacher Sprache. Die Themen reichen von eugenischen Kontinuitäten über den Zusammenhang von Nicht-invasivem Pränataltest (NIPT) und kapitalistischer Verwertungslogik bis hin zu einer möglichen Ausweitung des Testspektrums. 

Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik/Bündnis gegen die Kassenfinanzierung des Bluttests auf Trisomien* (2025): Dokumentation der Netzwerktagung 2024: Mit zweierlei Maß!? Wie ableistische Strukturen unseren Blick auf Behinderung prägen. Rundbrief 32, 130 Seiten, online: www.kurzlinks.de/gid275-ld.
 

Leihschwangerschaft als Menschenrechtsverletzung?

Ein Bericht der Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen und Mädchen Reem Alsalem vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit unterschiedlichen Formen von Gewalt im Kontext von Leihschwangerschaft. Dabei umreißt er aktuelle Entwicklungen und Trends, unterschiedliche staatliche Regulationsmaßnahmen sowie gesetzliche oder praktische Schlupflöcher, ordnet die Praxis in (globale) Machtverhältnisse ein und zeigt auf, in welcher Art und Weise Leihschwangere Gewalt erfahren und/oder unzureichend geschützt sind. Der Bericht schließt mit einer Einordung in internationales Recht und Menschenrechtsabkommen.

United Nations General Assembly (14.07.2025): Report of the Special Rapporteur on violence against women and girls, its causes and consequences. The different manifestations of violence against women and girls in the context of surrogacy. 23 Seiten, Englisch, kostenloses PDF, online: www.kurzlinks.de/gid275-le.


Wie wissenschaftlich ist die Gentechnik-Deregulierung?

Ein wissenschaftlicher Artikel liefert viele wichtige Fakten zu Pflanzen, die mittels neuer Gentechnik (NGT) modifiziert wurden. Die Autor*innen, alle drei Mitarbeiter*innen des Bundesamts für Naturschutz, beschäftigen sich insbesondere kritisch mit den wissenschaftlichen Hintergründen der rechtlichen Einstufung von NGT-Pflanzen. Gesetzesentwürfe zur EU-Deregulierung sehen vor, dass „NGT-Pflanzen der Kategorie 1“ als gleichwertig mit konventionell gezüchteten Pflanzen behandelt würden, wenn der gentechnische Eingriff unter einem bestimmten Ausmaß der Veränderung der DNA-Sequenz liegt.

Mundorf, J./Simon, S./Engelhard, M. (2025): The European Commission’s Regulatory Proposal on New Genomic Techniques in Plants: A Focus on Equivalence, Complexity, and Artificial Intelligence. In: Preprints 2025, www.doi.org/10.20944/preprints202506.1088.v2.

 

Keine Patente auf Pflanzen

In einem Bericht gibt die Organisation NO PATENTS ON SEEDS! (NPOS) einen Überblick über in letzter Zeit in Europa angemeldete und erteilte Patente sowie über ausgewählte Entscheidungen des Europäischen Patentamts. Auch der Effekt auf die konventionelle Pflanzenzüchtung wird thematisiert. Die Zahl der angemeldeten Patente aus klassischer Züchtung ist viel höher als derjenigen auf NGT-Pflanzen. Dies bezeichnet NPOS als besorgniserregend, da das patentierte biologische Material von allen Zuchtbetrieben benötigt wird. Das bedroht wiederrum die Existenz kleiner und mittlerer Züchter*innen in Europa sowie die Agrobiodiversität und die Auswahlmöglichkeiten für Verbraucher*innen.

NPOS (10/2025): Die patentfreie Zone für die klassische Pflanzenzucht in Europa bewahren! 27 Seiten, kostenloses PDF, online: www.no-patents-on-seeds.org/de/bericht-2025.

 

Gegen Gentech-Salat

Ein Bericht des Canadian Biotechnology Action Network (CBAN) liefert ein Update zur Kampagne „No GMO Salad“, die im Februar diesen Jahres gestartet wurde. Die Kampagne dreht sich um den Plan der Firma Bayer, in Kanada erstmalig einen gentechnisch veränderten (gv) Salat (Senfgrün) auf den Markt zu bringen. Das Senfgrün soll Teil von abgepackten Salatmischungen werden. Der Bericht liefert auch einen Überblick über die im Land importierten und angebauten gv-Pflanzen und welche Salathersteller sich zu GVO-Freiheit bekennen und welche nicht.

CBAN (10.07.2025): No GMO Salad – Update and Action Report. 10 Seiten, kostenloses PDF, online: www.kurzlinks.de/gid275-be. 

 

Gentech gegen Klimawandel?

Ein kurzes Factsheet der Organisation Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG) beschäftigt sich mit den Behauptungen der Biotech-Industrie zu neuer Gentechnik (NGT) und Klimawandel. Laut dieser könne NGT dazu beitragen, die industrielle Landwirtschaft umweltfreundlicher zu gestalten und Nutzpflanzen an den Klimawandel anzupassen. Die SAG erklärt faktenbasiert, warum dies nicht stimmt.

SAG (07/2025): Pflanzen aus neuer Gentechnik: Umweltfreundlich und klimagerecht? 4 Seiten, kostenloses PDF, online: www.kurzlinks.de/gid275-bf


Wissen gegen falsche Versprechen

Auch der BUND hat sich kritisch mit den Verprechen der Biotech-Industrie beschäftigt, welche die neue Gentechnik (NGT) als Lösung für durch Klimawandel verursachte Probleme in der Landwirtschaft anpreisen. Kurz und knapp erklärt die Broschüre, warum NGT-Pflanzen weder die Biodiversität steigern, noch den Welthunger stillen werden und warum ihre Deregulierung in der EU verhindert werden muss.

BUND (30.06.2025): Neue Gentechnik auf dem Prüfstand. 4 Seiten, kostenloses PDF, online: www.kurzlinks.de/gid275-bo.
 

Neue CAR-T-Zelltherapien

Auch wenn die Autor*innen vielfältige finanzielle Interessenkonlfikte angeben, bietet ein im Deutschen Ärzteblatt erschiener Artikel eine guten Überblick über den Stand von sogenannten CAR-T-Zelltherapien. Damit sind Gentherapien gemeint, bei denen bestimmte Immunzellen aus Patient*innen entnommen, gentechnisch verändert und wieder zurückgegeben werden. Sind bisher vor allem Therapien gegen Blutkrebserkrankungen zugelassen, rückt der Einsatz gegen Autoimmunerkrankungen oder HIV in den Fokus.

Mougiakakos, D./Mackensen, A./Schett, G. (2025): Autoimmunerkrankungen, HIV, Fibrose und Alter: CAR-T-Zellen jenseits maligner Erkrankungen. In: Deutsches Ärzteblatt, Ausg. 17, online: www.kurzlinks.de/gid275-bg.
 

Erschienen in
GID-Ausgabe
275
vom November 2025
Seite 33 - 34

GID-Redaktion

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