"Man müsste etwas tun..."

Im letzten Jahr ist Susanne Breyer mit ihrem Maultier quer durchs Land gezogen. Für die biologische Landwirtschaft und gegen die Gentechnik ging es vom 8. Mai bis zum 5. November von Arlen/Engen bis nach Flensburg.

Was war für Sie der Auslöser, die Aktion zu starten? Wie sind Sie mit dem Thema verbunden?

Ich bin jetzt seit mittlerweile fünfzehn Jahren Verbraucherin von Bio-Lebensmitteln und dadurch, dass ich hier auf dem Land wohne, bekomme ich auch viel mit von der Landwirtschaft. Und als das dann anfing mit der Gentechnik, da habe ich mir gedacht, das ist nicht gut, da musst du etwas gegen unternehmen. Je mehr ich mich in die Materie eingelesen habe, desto fürchterlicher kam mir das vor, was da so abgeht in dem Bereich. Die Evolution wird dahingehend verändert, wie es dem Menschen passt, aber so wie es dem Menschen passt, so passt es dann ja oft der Natur nicht. Man kann das an verschiedenen Beispielen sehen, nehmen wir den Assuan-Staudamm, wo schon vorher viele gesagt haben, das geht nicht gut. Aber da stehen dann auch die finanziellen Interessen von wenigen Firmen dahinter, die sich um das Gemeinwohl überhaupt nicht geschert haben; und so wurde das dann einfach gemacht, nach dem Motto, das wird schon gutgehen - ist es aber nicht! Genauso ist es bei der Kernenergie gelaufen und jetzt auch bei der Gentechnik... da könnte man noch X andere Beispiele aufzählen. Und in diesem Fall betrifft es mich halt persönlich, weil ich keine gentechnisch veränderten Lebensmittel zu mir nehmen möchte... und essen tu ich jeden Tag... So sind halt bestimmte Lebensmittel jetzt schon gestrichen. Das gilt auch für die Medizin. Gerade jetzt, wo die Homöopathie um ihren Platz kämpft. Das ist eine Wissenschaft, die mit extrem wenig Ressourcen, sehr wenig Material auskommt. Und die Wirkungen liegen ja schon auf der Hand. Dass so etwas zurückgedrängt wird zu Gunsten der Forschung an der Gentechnik, wo doch niemand etwas weiß. Wo auch die Ergebnisse und schon die Ziele höchst fragwürdig sind. Den Menschen herzustellen, der sämtlichen Umwelteinflüssen und Schädlingen gewachsen ist, dass man sich fragt: Wo ist denn da die Ursachenbekämpfung? Für die alternativen Forschungsansätze wird die Forschung nicht voran getrieben, und das hat mich so wütend gemacht, dass ich etwas dagegen machen wollte.

Wieso mit dem Maultier?

Dazu habe ich mir gedacht: Wie mach ich es jetzt? Und ich habe auf das älteste genetische Experiment zurückgegriffen, das Maultier, das der Mensch gezüchtet hat, und das schon seit 2.000 Jahren vom Menschen genutzt wird. Außerdem war es schon auch als Blickfang gedacht. Wenn man mit dem Langohr bei den Leuten ankommt, das zieht schon die Aufmerksamkeit auf sich.

Wie haben Sie die Tour geplant?

Ich habe mit verschiedenen Leuten zusammengearbeitet. Ich war Anfang des letzten Jahres auf der Biofach-Messe, um Sponsoren zu suchen. Und dann ging es los. Der erste Teil der Strecke stand schon vor dem Beginn fest, das ging bis Frankfurt und für diesen Teil habe ich sehr lange gebraucht. Als ich in Frankfurt war hatte ich schon 700 Kilometer hinter mir und es war auch schon August, so dass ich in dem weiteren Teil, den wir von unterwegs geplant haben, mehr darauf achten musste, Strecke zu machen. Ich hab mir vor allem Biohöfe ausgesucht, weil ich auch eine positive Botschaft weitergeben wollte und nicht nur gegen etwas - die Gentechnik - sein wollte, sondern auch für die biologische Landwirtschaft eintreten wollte, die in meinen Augen die nachhaltigste und die beste ist. Damit die Höfe dann auch etwas davon haben, dass sie mich aufnehmen, haben wir die Internetseite eingerichtet, wo die ganzen Höfe erwähnt werden. Das hat auch ganz gut funktioniert. Es gab in der Zeit von Mai bis Oktober mehr als 16.000 Zugriffe auf die Seite.

Wie ich in den letzten Tagen gesehen habe, gibt es auch jetzt noch Einträge in das Gästebuch...

Genau, das ist auch sehr schön, dass ich jetzt noch von Leuten höre, die auf der Seite waren und mir Grüße zukommen lassen oder mir schreiben, dass sie die Aktion sehr gut finden.

Wie war sonst die Reaktion auf ihre Tour?

Es gab insgesamt mehr als fünfzig Presseartikel über die Tour, zehn davon in überregionalen Zeitungen, und ich bin von zwei Fernsehteams besucht worden, die Berichte gemacht haben. Das hat sehr gut geklappt. Ich hatte mir die Pressearbeit mit den Höfen geteilt und die Reaktionen waren wirklich sehr gut.

Und die Menschen, denen Sie begegnet sind, wie haben die reagiert?

Es kamen praktisch nur positive Rückmeldungen. Die meisten waren begeistert. Wenige ein bisschen lau: "Ist ja ganz gut, was Sie da machen", aber immer wieder kam es auch so weit, dass die Menschen wirklich Tränen in den Augen hatten. Viele zeigten auch Dankbarkeit, dass endlich jemand was sagt gegen die Gentechnik. Andererseits, wenn ich dann gefragt habe, ob sie zum Beispiel Bio-Lebensmittel kaufen, dann haben viele doch wieder nur gesagt "Nee, das ist mir zu teuer." Woraufhin ich dann nachgehakt habe, ob sie einen Videorekorder oder ein Auto haben. Dann wurde schon auch klar, wo die Schwerpunkte liegen. Es bleibt dann nur, dass man, wenn man wirklich etwas gegen die Gentechnik machen will, schon auch bereit sein muss, mit dem eigenen Leben anzufangen. Wenn man an so einer Stelle nicht selber tut, was gefordert ist... man kann da lange reden. Das funktioniert sonst nicht. Das Wichtigste ist einfach, dass man als Verbraucher das Zeug nicht kauft und es einfordert von den Läden und auch zum Beispiel von den Krankenkassen, dass die auch die alternativen Heilmittel in ihr Programm nehmen und bezahlen. An dieser Stelle ist es so wichtig, dass man darüber redet.

Und konkret, was haben die Menschen, die Sie getroffen haben, gegen die Gentechnik?

Die Stimmung ist - meiner Meinung nach - so, dass die Leute aus einem tief intuitiven Gefühl heraus die Gentechnik ablehnen. Viele begründen es religiös, dass wir damit in die Schöpfung eingreifen, und da haben wir die Finger rauszulassen. Andere sagen, es ist ihnen suspekt. Und viele sagen auch, das ist nur Geldmacherei von wenigen auf dem Rücken von ganz vielen, und dabei werden alle Grenzen von Moral und Ethik übergangen - was sie nicht gut finden. Was ich auch immer wieder gehört habe: Viele bringen die Gentechnik noch in Verbindung mit dem Dritten Reich, in der Weise, dass man damals den Supermenschen kreieren wollte und alles andere dann wertlos war. Naja, und dann gab es natürlich auch die, die sich noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt haben und die eher von mir wissen wollten, warum ich das mache, in welchen Lebensmitteln das denn jetzt schon ist und ähnliches. Andere haben wiederum erzählt, dass sie selber in irgendwelchen Initiativen sind, zum Beispiel in Naturschutzgruppen mitarbeiten.

Und die Bauern?

Ich habe zum Beispiel auch einige getroffen, die im lokalen Bauernverband davon mitbekommen hatten. Bei denen gibt es eine große Skepsis, egal, ob es konventionelle oder Bio-Landwirte sind, das hat keinen Unterschied gemacht. Es gab dann ein paar konventionelle Bauern, die gesagt haben: "Wenn mein Nachbar das macht, dann mach' ich das auch", gleichzeitig spürt man bei denen auch die Angst, die mit der Haftung zusammenhängt. Die befürchten, von ihren Kollegen eins auf den Deckel zu bekommen, wenn es Verunreinigungen gibt. Aber die meisten sind doch sehr skeptisch. Nur beim Futter, also bei der Herstellung tierischer Produkte, da hatte ich den Eindruck, dass es einigen doch wurscht ist, ob sie gentechnisch verändertes Futter benutzen. Und da schien es mir auch keinen Unterschied zu machen, ob das ein Großbetrieb war oder einer mit nur wenigen Tieren.

Erschienen in
GID-Ausgabe
168
vom Februar 2005
Seite 31 - 32

Susanne Breyer

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