Das Aus für das Vorsorgeprinzip?

Verordnungsentwurf zu den neuen Gentechniken ist inakzeptabel

Heute Nacht wurde im Trilog eine Einigung erzielt über eine weitgehende Deregulierung der neuen gentechnischen Verfahren. Sollten das Parlament und der EU-Rat zustimmen, drohen die Aushöhlung des Vorsorgeprinzips, der Verlust von Verbraucher*innenrechten und eine weitere Konzentration auf den Saatgutmärkten.

3 EU-Fahnen wehen vor dem europäischen Parlament

3 EU-Fahnen wehen vor dem europäischen Parlament. Foto: Freepik.com

Berlin, 4.12.2025. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurde im EU-Trilog eine Einigung erzielt über eine weitgehende Deregulierung der neuen gentechnischen Verfahren. Der Verordnungsentwurf muss noch vom Rat und vom Parlament abgestimmt werden, bevor sie formell angenommen werden kann. Kernforderungen des EU-Parlaments wie zum Beispiel eine Kennzeichnungspflicht bis zum Endprodukt oder ein Verbot der Patentierung der neuen Pflanzen wurden dabei übergangen.

Judith Düesberg vom Gen-ethischen Netzwerk kommentiert die Einigung
„Mit dieser Einigung wurde das Vorsorgeprinzip, ein Grundpfeiler der EU-Konstitution, untergraben. Errungenschaften wie eine Risikoprüfung für Umwelt und Verbraucher*innen, eine Kennzeichnungspflicht bis zum Teller und Maßnahmen, um die gentechnikfreie Lebensmittelkette zu schützen, sollen für die allermeisten Pflanzen aus neuer Gentechnik wegfallen. Dies gilt nicht nur für Nutz-, sondern auch für Wildpflanzen
Diese Technologien machen es möglich, Organismen viel weitgreifender zu verändern, als es mit bisherigen Methoden der Fall war. Sollte dieser Freifahrtschein so verabschiedet werden, würde es eine weitreichende Veränderung der europäischen Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und Züchtungsbranche bedeuten. Und das nicht zum Guten: Auf kleine und mittelständische Züchtungsunternehmen sowie Landwirtschaftsbetriebe und Unternehmen, die gentechnikfrei arbeiten wollen, würden große Herausforderungen warten.
So werden sicher viele Patente auf Pflanzeneigenschaften angemeldet werden, die den Zugang zu genetischem Material extrem einschränken und in der Konsequenz die Vielfalt auf den Äckern und Tellern schmälern. Noch gibt es die Chance, im EU-Rat und im Parlament diese Einigung zu stoppen und einen verantwortungsvollen und umsichtigen Umgang mit den neuen Technologien zu wählen.“

Hintergrundinformationen:

Positionspapier: Wahlfreiheit lässt sich nur durch Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von neuen GVOs sichern.

Stellungnahmen vom GeN und 200 weiteren EU-Organisationen: Protect the business of small and medium size breeders, farmers, and the organic and non GMO sectors in the EU.
 

    4. Dezember 2025

    Judith Düesberg ist Ökologin und Mitarbeiterin des GeN.

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    Kontakt im Gen-ethischen Netzwerk:
    Judith Düesberg
    Judith.dueesberg@gen-ethisches-netzwerk.de