Herr Merz, die neue Gentechnik braucht Regeln!

Verbändebündnis protestiert vor dem Kanzleramt

Ein breites Bündnis protestierte heute vor dem Bundeskanzleramt für den Erhalt von  Risikoprüfung, Kennzeichnungspflicht und Koexistenzmaßnahmen für Pflanzen aus den neuen Gentechnikverfahren. Anlass sind die am 3. Dezember stattfindenden Verhandlungen auf EU Ebene.

Fotoaktion Kanzleramt Trilog

Ein breites Bündnis protestiert vor dem Bundeskazleramt. Foto Nick Jaussi.

Berlin, 2. Dezember 2025 – Heute protestierte ein Bündnis aus Umwelt-, Verbraucher- und Landwirtschaftsorganisationen vor dem Bundeskanzleramt. Die Aktion wurde unterstützt von Greenpeace, BUND, DNR, Nabu, Gen-ethischem Netzwerk, Save Our Seeds, AbL, BÖLW, Biokreis, Demeter und Bioland.

Die Verbände deckten heute symbolisch den Tisch vorm Kanzleramt in Berlin für Bundeskanzler Friedrich Merz. Mit ihrem Tisch für den Kanzler visualisierten die Verbände eine Zukunft ohne Transparenz – in der auch Friedrich Merz nicht mehr wüsste, ob Gentechnik auf seinem Teller landet.

Anlass für die Aktion ist der am 3. Dezember 2025 stattfindende EU-Trilog, der möglicherweise die finalen Eckpunkte setzt zur Deregulierung neuer Gentechnik-Pflanzen. Das Bündnis forderte Bundeskanzler Merz und die gesamte Bundesregierung auf, dem vorliegenden Kompromiss im EU-Trilog nicht zuzustimmen, solange zentrale Schutzmechanismen nicht gesichert sind: eine verpflichtende Kennzeichnung, eine verbindliche Risikoprüfung vor Marktzulassung, wirksame Koexistenzmaßnahmen zum Schutz gentechnikfreier Landwirtschaft sowie ein Verbot von Patenten auf Pflanzen.

Große Mehrheit fordert Kennzeichnung

Nach einer Umfrage des Bundesamts für Naturschutz (BfN) aus 2023 sprechen sich 94 Prozent der Menschen in Deutschland für eine verpflichtende Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel aus. Das Bündnis kritisiert, dass dieser klare Mehrheitswille im bisherigen Verhandlungsstand auf EU-Ebene nicht ausreichend berücksichtigt wird.
Mit dem heutigen Protest macht das Bündnis deutlich: Umwelt- und Landwirtschaftsorganisationen stehen gemeinsam ein für Transparenz, Vorsorge und den Schutz gentechnikfreier Landwirtschaft und fordern auch die Bundesregierung auf, diese Interessen in Brüssel konsequent zu vertreten.

Judith Düesberg, Ökologin und Gentechnik-Expertin sprach auf der Kundgebung für das Gen-ethische Netzwerk: „In Brüssel wird derzeit ein Freifahrtschein für die neuen Gen-Technologien verhandelt, der die Errungenschaften in der Gentechnikpolitik zunichtemachen würde. Für die allermeisten Pflanzen, die mit diesen neuen Verfahren entwickelt werden soll die verpflichtende Risikoprüfung für Umwelt und Gesundheit, die Kennzeichnungspflicht bis zum Teller und das Recht auf Wissen und Information über diese Pflanzen wegfallen. Für uns als Verbraucher*innen, als Verbände, als Gesellschaft würde damit die Grundlage für Transparenz und Entscheidungsfreiheit verloren gehen.“
 
Und weiter: „Ein Blick auf die vergangenen Jahrzehnte zeigt, dass die klassische Gentechnik zu einer sehr starken Konzentration der Saatgutmärkte beigetragen hat. Die EU lässt die Chance verstreichen, die diese Rahmenbedingungen grundlegend zu ändern beispielsweise mit einem Verbot von Patenten auf Pflanzen aus neuer Gentechnik. Somit wird diese Technologie, die viel Wissen und hohe Kosten voraussetzt, wieder vor allem den großen Konzernen nutzen und einer vielfältigen Züchtung und Landwirtschaft im Wege stehen.
 
Die großen Agrarkonzerne haben ein großes Interesse daran, die Informationen über die Veränderungen der DNA nicht preiszugeben. Dieses Wissen ist jedoch die Grundlage dafür, dass Wissenschaft, unabhängige Forschung und Medien und Zivilgesellschaft eine informierte Berichterstattung durchführen können. Der Zugang zu diesen Informationen ist somit von großem Wert für die Gesellschaft, ihr Vertrauen in die Institutionen und ihr Mitspracherecht.“


Fotos von der Aktion: https://nextcloud.bauernstimme.de/index.php/s/C3b…

 

    2. Dezember 2025

    Judith Düesberg ist Ökologin und Mitarbeiterin des GeN.

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    Kontakt im GeN:

    Judith Düesberg
    Judith.dueesberg@gen-ethisches-netzwerk.de
    Tel. 030-685 7073