Gentests und Genomsequenzierung

Piktogramm: Erlenmeyerkolben mit Flüssigkeit und daraus hervorgehendem Molekül

Die vollständige Sequenzierung der menschlichen DNA war das große Projekt der 1990er Jahre, die Kosten des Human Genome Projects betrugen drei Milliarden US-Dollar. Mittlerweile werden Gentests immer schneller und billiger. Die Anzahl kommerzieller Anbieter, die ihren Kund*innen eindeutige Aussagen zu Gesundheitsrisiken oder Lebensstilfragen durch Sequenzierung ihres Genoms oder einzelner Genvarianten versprechen, steigt. Während die Kund*innen große Datenschutzrisiken eingehen, ist der tatsächliche Informationsgehalt der Testergebnisse wissenschaftlich umstritten.

Auch in der medizinischen Forschung spielt Genetik eine immer größere Rolle. Doch abseits von seltenen Erkrankungen, bei denen kausale Zusammenhänge zu einzelnen Genvarianten bestehen, ist die medizinische Aussagekraft von Gentests in vielen Fällen, grade wenn es um sogenannte Volkskrankheiten geht, gering. Das Gen-ethische Netzwerk kritisiert den Fokus auf genetische Erkrankungsrisiken, während soziale Ursachen von Gesundheit wie Armut unterforscht sind.

Beiträge zu diesem Thema

  • Das „mexikanische Genom“ - ein Paradox

    Seit einiger Zeit spukt die These eines einzigartigen nationalen Genoms durch die Medien Mexikos. Dies erscheint besonders absurd, beruht doch der mexikanische Nationalmythos auf der Geschichte der „Mestizaje“, also der „Vermischung“. Grund genug, Nachforschungen beim Kongress der Physischen Anthropologie und beim staatlichen Genomforschungsinstitut INMEGEN anzustellen.

  • Schwarzkrank?

    30. Dezember 2009

    Wie greifen Vorstellungen von Krankheit und Rassimus ineinander? Was geschieht, wenn die Medizin eine Krankheit eng in den Zusammenhang mit „ethnischen Markern“ stellt? Welche Analyse ist aus der Perspektive derjenigen, die so angesprochen und im doppelten Sinne behandelt werden, zentral? Wir dokumentieren Auszüge aus einer sehr viel umfangreicheren Analyse.

  • Abstammung und typologisches Denken

    30. Dezember 2009

    Immer mehr Unternehmen in den USA werben insbesondere unter AfroamerikanerInnen mit DNA-Tests, um die Herkunft der Vorfahren zu ermitteln. Was sagen diese Tests eigentlich aus - und inwiefern vermitteln sie Vorstellungen „rassischer“ Zugehörigkeit? Eine kritische Auseinandersetzung mit den Methoden und Konzepten der Populationsgenetik ist für die Beantwortung dieser Fragen unabdingbar. Wir dokumentieren Auszüge aus einem Report zu Rassismus und Genetik des US-amerikanischen Center of Genetics und Society.

  • Genomische Diversität - mit oder ohne „Rasse“ ?

    Seit einigen Jahren laufen die Screeningmaschinen heiß: Sie durchforsten die Genome großer Gruppen von StudienteilnehmerInnen nach so genannten genetischen Markern, die statistisch mit einer bestimmten Krankheit in Verbindung gebracht werden können. Eifrig wird auch untersucht, ob sich diese Zusammenhänge je nach Bevölkerungsgruppe unterschiedlich darstellen. Wie aber werden da welche „Populationen“ voneinander unterschieden? Die Sozialwissenschaft diskutiert, ob die Hypothese menschlicher Biodiversität als rassistisch zu werten ist, oder ob es Modelle gibt, um „Rasse“ als Kriterium zu vermeiden.

  • Uneindeutig weiblich?

    23. November 2009

    Geschlechtstests im Sport waren eines der diesjährigen Sommerloch-Themen. Anlass war das erniedrigende Spekulieren über die Weiblichkeit der Südafrikanerin Caster Semenya, deren Goldmedaille im 800m-Lauf in Frage gestellt wurde. Wochenlang kursierten Gerüchte darüber, welche vielfältigen Expertisen zur Feststellung ihres Geschlechts herangezogen würden - mit der Humangenetik als einer Disziplin unter anderen. Klar wurde: das biologische Geschlecht ist keine einfach messbare biologische Tatsache, sondern es bedarf einer Fülle von Technologien, um es wissenschaftlich dingfest zu machen. Verschieben solche Diskussionen die gesellschaftlichen Vorstellungen eines starren Systems von biologischer und genetischer Zweigeschlechtlichkeit?