Gentests und Genomsequenzierung

Piktogramm: Erlenmeyerkolben mit Flüssigkeit und daraus hervorgehendem Molekül

Die vollständige Sequenzierung der menschlichen DNA war das große Projekt der 1990er Jahre, die Kosten des Human Genome Projects betrugen drei Milliarden US-Dollar. Mittlerweile werden Gentests immer schneller und billiger. Die Anzahl kommerzieller Anbieter, die ihren Kund*innen eindeutige Aussagen zu Gesundheitsrisiken oder Lebensstilfragen durch Sequenzierung ihres Genoms oder einzelner Genvarianten versprechen, steigt. Während die Kund*innen große Datenschutzrisiken eingehen, ist der tatsächliche Informationsgehalt der Testergebnisse wissenschaftlich umstritten.

Auch in der medizinischen Forschung spielt Genetik eine immer größere Rolle. Doch abseits von seltenen Erkrankungen, bei denen kausale Zusammenhänge zu einzelnen Genvarianten bestehen, ist die medizinische Aussagekraft von Gentests in vielen Fällen, grade wenn es um sogenannte Volkskrankheiten geht, gering. Das Gen-ethische Netzwerk kritisiert den Fokus auf genetische Erkrankungsrisiken, während soziale Ursachen von Gesundheit wie Armut unterforscht sind.

Beiträge zu diesem Thema

  • Ein platter Reifen voller Gene

    20. November 2009

    Evelyn Fox Keller gehört zu denjenigen, die in den achtziger Jahren die feministische Wissenschaftskritik mit auf den Weg gebracht haben. Gegenstand ihrer Kritik waren immer wieder die Genetik und der genetische Reduktionismus. Zuletzt hat die gelernte Biologin die Gen-Fixierung ihrer Zunft einer historischen Kritik unterzogen. Das Interview ist also ein besonders kompetenter Geburtstagsgruß zum 100. Geburtstag des „Gens”.

  • Das Gen ist 100...

    20. November 2009

    ... und niemand feiert mit. Selbst bei den Genetikern und Molekularbiologen findet keine große Party statt wie noch zum 50-jährigen Jubiläum des „genetischen Codes“. Ernüchterung ist allenthalben spürbar. Doch heißt das, dass wir nun auch die alten Auseinandersetzungen um einen genetischen Reduktionismus hinter uns lassen? Eine kleine Umschau auf neu erschienene und immer noch aktuelle Literatur.

  • Das Gier-Gen

    Von
    10. September 2009

    In „7 Thesen zur Neuroökonomie“ behauptet der Frankfurter Zukunftsrat, der Schlüssel zur Bewältigung der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise liege in den Händen der Gen- und der Hirnforschung. Das illustre Gremium, dem neben einschlägig Bekannten wie Stammzellforscher Oliver Brüstle und Hirnforscher Christian Elger auch Wolfgang Clement (Ex-SPD), Friedrich Merz (CDU), Bevölkerungsforscherin Charlotte Höhn und Philosoph Peter Sloterdijk angehören, fordert konsequenterweise einen Gentest für Führungskräfte.

  • Verbände kritisieren Gendiagnostikgesetz: das Gesetz diskriminiert Migranten und Migrantinnen massiv

    (Berlin, 2. März 2009). In einer gemeinsamen Pressemitteilung kritisieren das Gen-ethische Netzwerk e.V. (GeN), PRO ASYL und der Deutsche Anwaltverein den Regierungsentwurf für ein Gendiagnostikgesetz (GenDG). Das geplante Gendiagnostikgesetz untergräbt das ursprüngliche Ziel, vor Diskriminierung zu schützen.

     

  • GeN (Berlin) startet das Alternative Gen-Alphabet zum Internationalen Kongress für Genetik

    In dieser Woche (12.-17.7.2008) wird in Berlin der Internationale Kongress für Genetik (ICG) abgehalten – für das Gen-ethische Netzwerk e.V. Anlass, deutlich dagegen zu protestieren, welche Botschaften die Genomforschung und die Humangenetik transportieren und in welches gesellschaftliche und ökonomische Projekt sie eingebunden sind.