Rezension: Trans* Elternschaft: Antworten jenseits von Reprotech
Wie trans* und nichtbinäre Menschen trotz bürokratischer Erschwernisse und anderer Zugangshemmnisse Eltern werden, hat Soziolog*in Jenn Stoll untersucht. Aufbauend auf dem theoretischen Konzept der Repronormativität, mit dem sich Ein- und Ausschlussdynamiken in Bezug auf Reproduktion und Elternschaft fassen lassen, fragt Stoll: Wie werden Menschen abseits cisnormativer Familienmodelle Eltern? Welchen Hürden begegnen sie? Und welche Umgangsstrategien finden sie damit?
Stoll, J. (2026): becoming trans* parents. Konfigurationen von Repronormativität, Handlungsfähigkeit und reproduktiver Gerechtigkeit.
Die Arbeit zentriert die Erfahrungen von (werdenden) trans* Eltern und nähert sich diesen durch narrative Interviews, informelle Gespräche und teilnehmende Beobachtungen. Zudem beschreibt Stoll die aktuelle rechtliche Situation bezüglich Adoption und Stiefkindadoption sowie Namens- und Personenstandsangaben in Geburtsurkunden ebenso wie trans*spezifische Barrieren bei der medizinischen Versorgung.
Das Buch zeigt, wie vielschichtig unterschiedliche Wege des Elternwerdens sind, aber auch wie viel voraussetzungsvoller Familiengründungen für trans* Personen sind, welche Wissensaneignung, Beharrlichkeit und Resilienz werdende trans* Eltern an den Tag legen müssen. Queere Menschen tauchen in Diskursen um Elternschaft oft nur auf, wenn es um assistierte Reproduktion geht, etwa bei der Diskussion um Eizelltransfer und Leihschwangerschaft. Stoll zeigt gelungen auf, dass trans* Eltern aktuell ganz real vor einer Vielzahl anderer Probleme stehen.
Stoll, J. (2026): becoming trans* parents. Konfigurationen von Repronormativität, Handlungsfähigkeit und reproduktiver Gerechtigkeit. transcript, 324 Seiten, Print: 48,– Euro, ISBN: 978-3-8376-8061-4, digital (Open Access), ISBN: 978-3-8394-6115-0.
Jonte Lindemann ist Mitarbeiter*in des GeN und Redakteur*in des GiD.