Gesundheitssystem

Piktogramm: Paragraf, Erlenmeyerkolben, Faust

Die öffentliche Gesundheitsversorgung wird zunehmend privatisiert, ökonomisiert und individualisiert. Kostenersparnis, Prävention und individuelle Risikovermeidung sind die gesundheitspolitischen Ziele. Die frühzeitige „Erkennung“ vermeintlicher individueller Gesundheitsrisiken soll Menschen befähigen, Krankheiten vorzubeugen, macht sie jedoch auch individuell für den Erhalt der eigenen Gesundheit verantwortlich.

Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte soll Patient*innendaten aus verschiedenen Quellen digital zusammenführen und auslesbar machen. Versprochen werden eine höhere Effizienz, eine maßgeschneiderte, individualisierte Medizin und eine bessere Versorgung. Tatsächlich entstehen immense Risiken für die Daten- und Versorgungssicherheit. Die Versprechungen der „individualisierten Medizin“ erweisen sich häufig als leer, treiben aber die Idee der individuellen Verantwortung für die eigene Gesundheit voran.

Beiträge zu diesem Thema

  • Broschüre „Individualisierte Medizin“ erschienen!

    (Berlin, 2. September 2013) Nach einem Jahr gründlicher Recherche ist sie nun endlich da - die kritische Untersuchung ökonomischer und politischer Interessen, die der Rede von der „individualisierten“ oder „personalisierten“ Medizin zur Zirkulation verhelfen. Neben Analysen und Hintergründen bietet die Broschüre, die ab sofort im GeN-Büro oder online bestellt werden kann, auch Kurzbeschreibungen relevanter Forschungseinrichtungen und -netzwerke, staatlicher Förderprogramme, involvierter pharmazeutischer Unternehmen und der wichtigsten „individualisierten“ Medikamente.
    Interview mit der Autorin zum Inhalt der Broschüre

  • 7. August 2013: Wer ist gesund und wer ist krank?

    Wer ist gesund und wer ist krank? Diese Frage stellt sich neu angesichts einer einflussreichen Pharmaindustrie, die für ihre Produkte die entsprechenden Absatzchancen sucht. Roter Abend mit GeN-Mitarbeiterin Uta Wagenmann am 7. August 2013 in Berlin-Friedrichshain.

  • Maskiertes Geschäftsfeld

    11. September 2012

    Der Göttinger Bestechungsskandal macht einmal mehr die Anfälligkeit der Transplantationsmedizin für Korruption deutlich. Zugleich zeigt die öffentliche Aufregung über den Fall, wie fragil das System der Organspende ist und wie sehr sein Funktionieren davon abhängt, dass dem Versprechen eines gleichen Zugangs für alle vertraut werden kann. Warum Bestechung und Vorteilsnahme auf diesem Feld besonders schwer wiegen und zugleich kaum wegzudenken sind.

  • Abstrakte Patienten

    11. September 2012

    „Personalisierte Medizin“ - der Begriff suggeriert individuelle, ärztliche Zuwendung. Mehr als bisherige medizinische Behandlungsregime basiert der Ansatz aber auf statistischen Konstrukten, auf deren Basis standardisierte Behandlungsentscheidungen gefällt werden. Gestützt wird damit nicht nur die zunehmende Ökonomisierung der Gesundheitsversorgung, sondern auch eine berechnende Medizin.

  • „Unauflösbare Gegensätze“

    Interview mit
    11. September 2012

    In welchem Verhältnis steht die Logik der „individualisierten“ oder „personalisierten“ Medizin zum System der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)? Wird die Solidargemeinschaft in der Zukunft - wenn es möglicherweise immer mehr „personalisierte“ Medikamente gibt - die immensen Kosten tragen können, die den Bereich schon jetzt kennzeichnen? Und welche Chancen bietet der Ansatz für die Gesundheitsversorgung?