Behinderung

Piktogramm: Paragraf, Erlenmeyerkolben, Faust

Selektive Pränataldiagnostik (PND), die nur nach Normabweichungen sucht und weder die Versorgung der Schwangeren noch die Gesundheit des werdenden Kindes verbessert, verstößt gegen die UN-Behindertenrechtskonvention. Sie konterkariert das gesellschaftliche Ziel der Inklusion von Menschen mit Behinderung. Behinderung wird vielfach immer noch mit Sorgen, Leid und Schmerzen verbunden – eine ableistische/behindertenfeindliche Einstellung. Die gesellschaftliche Bereitstellung von Ressourcen für die gezielte pränatale Suche nach Abweichungen und Behinderungen (via Regelfinanzierung durch die Krankenkassen) zeigt, dass es weiterhin als normal und unproblematisch gilt, Behinderung um beinahe jeden Preis vermeiden zu wollen.

Die angenommene Andersartigkeit macht behinderte Menschen zur Projektionsfläche für Ängste vor Schmerzen, Abhängigkeit, Immobilität und Verlust von Kontrolle. Von einer grundlegenden menschlichen Situation werden Verletzlichkeit und Schwäche zu einer Bedrohung der eigenen „Normalität“ und des Selbstbildes als autonomes, selbstbestimmtes Subjekt, das selbstdiszipliniert und -kontrolliert, frei und gesellschaftlich funktionstüchtig ist, die abgewehrt werden muss.

Beiträge zu diesem Thema

  • Filmrezension

    Von
    13. Mai 2020

    Liebe ist stärker als der Tod. Drei Paare erzählen über ihre Entscheidung zum Spätabbruch. Dokumentation, Österreich 2019, Regie: Patricia Josefine Marchart, www.liebe.film.

  • Vorgeburtliche genetische Bluttests: Es braucht endlich eine politische Entscheidung!

    Blutabnahme mit einer Spritze
    Von
    GeN

    (Berlin, 30.04.2020) Anlässlich des Europäischen Aktionstags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung (5. Mai) fordert das Gen-ethische Netzwerk zusammen mit 40 weiteren Organisationen den Deutschen Bundestag dazu auf, Entscheidungen bezüglich der Anwendung vorgeburtlicher Untersuchungen zu treffen, deren Ergebnisse keine Behandlungsoptionen eröffnen.

  • Vorgeburtliche genetische Bluttests

    Logos NIPT 2020
    Von
    GeN

    Mit der Entwicklung von verschiedenen neuen Bluttests (Nichtinvasive Pränataltests = NIPT) sind werdende Eltern in Deutschland ab Beginn der Schwangerschaft mit einem noch größeren Angebot vorgeburtlicher Untersuchungen konfrontiert, die nach Besonderheiten beim werdenden Kind suchen.

  • Der Protest muss wieder lauter werden!

    Demonstration Inklusion statt Selektion
    Interview mit

    Die Behindertenaktivistin Hannelore Witkofski kritisiert den G-BA-Beschluss Bluttests für Schwangere auf Trisomie21 zur Kassenleistung zu machen. Sie befürchtet die Ausweitung pränataler Screenings und ruft zu mehr Widerstand auf.