Medikamente

Schwerpunkt

"Für jeden etwas?" In diesem GID-Schwerpunkt zum Thema Medikamente beschäftigt sich Christian Wagner mit der Frage, ob die Arzneimittelforschung, so wie sie derzeit stattfindet, eigentlich im öffentlichen Interesse ist. Monika Feuerlein geht dem biologistischen Diskurs der "ethnischen Medizin" nach und in einem Interview erklärt Irene Krämer, warum Biopharmazeutika "unnachahmlich" sind. Außerdem gehen zwei weitere Artikel auf gentechnisch hergestelltes Insulin ein.

Impressum

GID 179, Dez. 2006/Jan. 2007 22. Jahrgang - ISSN 0935-2481 Redaktion: Theresia Scheierling (ViSdP), Monika Feuerlein, Amadeus Janio, Christof Potthof, Andrej Schönhof, Ute Sprenger

Artikel in dieser Ausgabe

  • Arzneimittelforschung – im öffentlichen Interesse?

    Von
    Christian Wagner

    In Deutschland werden jährlich 9 Milliarden Euro für die Arzneimittelforschung ausgegeben.(1) Fast die Hälfte dieses Geldes stammt aus öffentlichen Kassen. Patentschutz wird als wichtigstes Stimulans zur Forschung eingesetzt und auch Universitäten werden angehalten, alle Entwicklungen zu patentieren, die kommerziell verwertbar sein könnten. Dennoch geht die Forschung oft an den Gesundheitsbedürfnissen vorbei, und global gesehen hat die Mehrheit der Weltbevölkerung keinen Zugang zu Medikamenten. Dient die moderne Arzneimittelforschung noch dem öffentlichen Interesse?

  • BiDil: "Ethnische Medizin"?

    Von
    Monika Feuerlein

    In den USA hat sich das erste Medikament, das nur für AfroamerikanerInnen zugelassen wurde, wirtschaftlich als Flop erwiesen. Doch biologistische Diskurse machen Karriere.

  • Biopharmazeutika sind "unnachahmlich"

    Von
    Irene Krämer

    Interview mit Dr. Irene Krämer Im Frühjahr hat die Europäische Arzneimittelbehörde EMEA das erste Nachahmerprodukt eines biotechnologisch hergestellten Medikaments zugelassen. Das von der Novartis-Tochter Sandoz hergestellte Medikament Omnitrope enthält das gentechnisch erzeugte Wachstumshormon Somatropin und ist dem Pfizer-Produkt Genotropin nachempfunden. Die Entscheidung der EMEA hat eine Debatte über die Sicherheit solcher "Biosimilare" ausgelöst. Wieder nur eine Strategie der Pharmaindustrie?

  • Gv-Insulin: Versprechungen und Realität

    Von
    Jana Böhme

    Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat im Juli diesen Jahres beschlossen, dass kurzwirksame Insulinanaloga, die eine gentechnisch hergestellte Abwandlung des Insulins darstellen, unwirtschaftlich sind und bei Patienten mit Typ 2-Diabetes nur noch in Ausnahmen auf Kassenrezept verordnet werden dürfen. Der Nutzen und die Sicherheit klassischer Humaninsuline – die immer noch als Vorzeigemedikament der Gentechindustrie gelten – wird weiterhin nicht hinterfragt.

  • Insulin: Die Perspektive der Betroffenen

    Von
    Sabine Hancl

    Interview mit Sabine Hancl Im Streit um die Erstattungsfähigkeit von Insulinanaloga werden die Nebenwirkungen von Humaninsulin erstmals publik gemacht: Vor allem Hersteller und Diabetologen beziehen sich nun auf diese, um einen Verlust von Marktanteilen zu verhindern. Was bedeutet der Argumentationswechsel für die Betroffenen?

  • Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs?

    Von
    Sylvia Groth

    In einer großen Marketingkampagne zu dem neuen, gentechnisch hergestellten Impfstoff Gardasil verspricht der herstellende Pharmakonzern Sanofi Pasteur MSD Schutz vor Gebärmutterhalskrebs. Die Hoffnungen sind groß. Unabhängige Informationen dazu sind hingegen trotz einer Flut von Artikeln ebenso rar wie evidenzbasierte Daten über die Langzeitwirkung der neuen Impfung.

  • De facto klammheimlich

    Von
    Tobias Leiber

    Von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, werden seit Jahren gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Eine Diskussion darüber hat es öffentlich nicht gegeben. Wie auch? Die Kammer hat weder Nachbarn noch das zuständige Ministerium noch sonst irgendwen informiert.

  • Mit Sicherheit nicht sicher

    Von
    Christof Potthof

    Mit dem Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte (gv) Pflanzen soll sichergestellt werden, dass nur unbedenkliche Lebens- und Futtermittel auf den Markt kommen. Verfahrensmängel und fehlende wissenschaftliche Erkenntnisse führen jedoch zu fragwürdigen Entscheidungen.

  • Protest gegen die elektronische Gesundheitskarte

    Von
    Elke Steven

    Eigentlich sollte bereits in diesem Jahr eine elektronische Gesundheitskarte (abgekürzt eGK) die Krankenversicherungskarte ersetzen. Nun wird sich ihre Einführung wohl noch weiter verschieben. Das Komitee für Grundrechte ruft dazu auf, die Zeit zu nutzen, um gegen die Ausweitung der Datensammelei zu protestieren.

  • Im Zentrum der Mensch?

    Von
    Erika Feyerabend

    Das Deutsche Hygiene Museum in Dresden hat einen Medienpreis an den Journalisten und Autor Erwin Koch für seinen Beitrag "Der gute Tod" verliehen. In diesem wird die Tötung von kranken oder behinderten Neugeboren in den Niederlanden befürwortet.

  • Recht für die Gentechnik

    Von
    Christof Potthof

    Wieder ein neues Papier als Grundlage für ein neues Gentechnikgesetz. Die unendliche Geschichte zu dessen Novellierung setzt sich fort - die Stimmung kippt in Richtung der Interessen der Gentechnik-Befürworter und nebenbei wird das Gentechnikrecht an sich ausgehöhlt.

  • Gentech-Saatgut aus Lateinamerika

    Von
    Ute Sprenger

    Bevor transgene Nutzpflanzen in Monokulturen zum Einsatz kommen, muss erst einmal das entsprechende Saatgut in ausreichender Menge erzeugt werden. Bereits vor 1996, dem Jahr des ersten kommerziellen Anbaus im Pionierland der Gentechnik, den USA, begannen die Saatgutvermehrungen und der experimentelle Einsatz. Beides fand überwiegend in Staaten statt, wo derartige Arbeiten unbehelligt von gesellschaftlichen Debatten oder besonderen Kontrollen möglich sind.

  • Handel gegen Umwelt

    Von
    Christof Potthof

    Deutsche Nichtregierungsorganisationen erheben Einspruch gegen das Urteil im Gentechnikstreitfall der Welthandelsorganisation. Sie warnen damit vor einer weitreichenden Schwächung von internationalen Umweltabkommen durch Handelsabkommen.

  • Keine Zulassung für Amflora

    Von
    Christof Potthof

    BASF hat noch keine europäische Anbau-Zulassung für seine gentechnisch veränderte (gv) Kartoffel der Sorte "Amflora" bekommen.

  • Akademien und grüne Gentechnik

    Von
    Christof Potthof

    Die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften hat sich mit ihrem Ansinnen, einen Beschluss der internationalen Akademien zur Unterstützung der grünen Gentechnik herbeizuführen, nicht durchsetzen können.

  • Zwischen Forschungsförderung und leisen Bedenken

    Von
    Mute Schimpf

    Mit gentechnischen Wunderpflanzen soll der Hunger in der Welt zu bekämpfen sein, meinen einige Wissenschaftler und die Werbeabteilungen aus der Gentechnikbranche seit Jahren. Schon bald könnten trockenresistente, ertragsreiche oder mit Eiweiß angereicherte Pflanzen auf die Felder in Entwicklungsländern kommen.