Behinderung

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Selektive Pränataldiagnostik (PND), die nur nach Normabweichungen sucht und weder die Versorgung der Schwangeren noch die Gesundheit des werdenden Kindes verbessert, verstößt gegen die UN-Behindertenrechtskonvention. Sie konterkariert das gesellschaftliche Ziel der Inklusion von Menschen mit Behinderung. Behinderung wird vielfach immer noch mit Sorgen, Leid und Schmerzen verbunden – eine ableistische/behindertenfeindliche Einstellung. Die gesellschaftliche Bereitstellung von Ressourcen für die gezielte pränatale Suche nach Abweichungen und Behinderungen (via Regelfinanzierung durch die Krankenkassen) zeigt, dass es weiterhin als normal und unproblematisch gilt, Behinderung um beinahe jeden Preis vermeiden zu wollen.

Die angenommene Andersartigkeit macht behinderte Menschen zur Projektionsfläche für Ängste vor Schmerzen, Abhängigkeit, Immobilität und Verlust von Kontrolle. Von einer grundlegenden menschlichen Situation werden Verletzlichkeit und Schwäche zu einer Bedrohung der eigenen „Normalität“ und des Selbstbildes als autonomes, selbstbestimmtes Subjekt, das selbstdiszipliniert und -kontrolliert, frei und gesellschaftlich funktionstüchtig ist, die abgewehrt werden muss.

Beiträge zu diesem Thema

  • Eine Gesellschaft für Alle? Inklusion zwischen Utopie und Herrschaftstechnik

    (April 2014) Eine Podiumsdiskussion zur oft großspurigen Rede von Inklusion findet am 21. Mai in Berlin statt. Auf der Veranstaltung, die zum Rahmenprogramm der auch in diesem Jahr wieder vom GeN, dem Arbeitskreis Mit ohne Behinderung (AK MoB) und anderen kritischen Gruppen organisierten Disability and Mad Pride Parade gehört, wird es unter anderem um die realen Bedingungen gehen, unter denen behinderte Menschen in unserer angeblich schon fast inklusiven Gesellschaft leben.

  • „Der Wucht der Stigmatisierungen widerstehen“

    24. Oktober 2013

    Theresia Degener ist eine der Veteran_innen der deutschen Krüppel- und Behindertenbewegung und heute Professorin für Recht und Disability Studies. Außerdem arbeitet sie im Ausschuss der Vereinten Nationen für die Rechte von Menschen mit Behinderungen mit. Wir dokumentieren hier leicht gekürzt ihren Redebeitrag auf der Mad & Disability Pride Parade.

  • „So wie wir sind, sind wir richtig!“

    24. Oktober 2013

    Die erste Mad & Disability Pride Parade hierzulande am 13. Juli in Berlin fand überwältigenden Zuspruch. Mehr als tausend Menschen feierten mit Konfettiregen bei strahlendem Sonnenschein ihr Anders-, So- und Zusammensein. Ein Kurzbericht.

  • Nicht nur behindert und verrückt gefeiert ...

    (1. August 2013) ... wurde Mitte Juli in Berlin, in der kommenden Woche startet nun auch das Begleitprogramm der 1. Mad & Disability Pride Parade mit Diskussionsveranstaltungen und Workshops zu den Themen Normierung, Diskriminierung und Selektion. Den Auftakt macht das GeN am Sonntag, dem 4. August, mit einer Vorführung des Films "Der Pannwitzblick", weiter geht es dann am 6. August mit einer Diskussionsveranstaltung zu Normierung und Widerstand.